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- Lesen vereint!

Eine Buchhändlerin steigert mit einer Imagekampagne für ihren Alpenverein auch die Leselust und den Bücherverkauf. Wer Vereinsmitglieder nicht nur über ihr Vereinsthema anspricht kann überraschende Erfolge verbuchen.

Im BuchMarkt-November-Heft 2011, auf Seite 52 schildert unser Autor Helmut Benze, die zupackende Bewerbung von Maike H., die ihrer künftigen Chefin bereits im Bewerbungsgespräch eine Idee für lokales Marketing vom Feinsten „verkauft“ und sich vorher als Bewerberin zu erkennen gibt, die als Kundin verkleidet die Buchhandlung erkundet und „getestet“ hat.
Maike wurde eingestellt und ihre Idee wurde so erfolgreich über die Bühne gebracht, dass aus dem Kerngedanken (und dem gelungenen Startbeispiel) eine Serie ebenfalls erfolgreicher Aktionen entstand.

Bewerbung als Verkaufsgespräch:
Die Buchhändlerin Maike H. hat ihre künftige Chefin beim Bewerbungsgespräch ebenso überrascht wie amüsiert. Überrascht mit der Formulierung, die Buchhandlung brauche eine Buchhändlerin der „neuen Schule“, amüsiert mit dem „Geständnis“, sie habe die Buchhandlung zweimal als Kundin verkleidet getestet. Die Fragen, was „neue Schule“ bedeute und welche Beobachtungen Maike H. (verkleidet in ihrer zünftigen Alpenvereins- Wanderkluft) in der Buchhandlung gemacht habe, beantwortete Maike so:
„Ich habe in den Schulen des Deutschen Buchhandels (heute mediacampus) gelernt, dass Buchhandel eine intellektuelle Leuchtreklame bleibt, wenn nicht langfristig angelegtes Marketing erfolgt und Mitarbeiter ausgebildet werden, die sich als Buch- und Medienkaufleute verstehen, exzellent beraten sowie aktiv verkaufen wollen. Buchhändler dieses Typs, wurden als „neue Schule“ bezeichnet. Zur Abgrenzung gegen die „alte Schule“. Diejenigen Kolleginnen, die mich hier sehr freundlich beraten und bedient haben, scheinen eher zur alten Schule zu gehören. Das habe ich unter anderem daran gemerkt, dass mir ein wunderschöner Weltatlas vorgelegt wurde, jedoch ohne Erklärung seiner Besonderheiten, sowie ohne überzeugende Antwort auf die Frage nach der Berechtigung des stattlichen (aber durchaus angemessenen) Preises. Auf die Preise habe der Buchhandel keinen Einfluss. Ladenpreise würden von den Verlagen festgelegt und seien verbindlich für alle Buchhandlungen. Damit möchte ich auch Ihre zweite Frage beantwortet haben. Denn es steht mir nicht zu, erfahrene Kolleginnen, noch dazu als Kundin getarnt, zu testen und meine Beobachtungen der Chefin mitzuteilen.
Falls ich jedoch von Ihnen eingestellt werde und wir in Teamgesprächen über Kundengewinnung und Umsatzsteigerung reden, bringe ich meine Sicht der Dinge und meine Erfahrungen aus Schulungen und Spezialseminaren gern ein.
„Maike H., Sie scheinen sich viel zuzutrauen. Gut verkaufen können Sie sich. Wenn Sie im Bücherverkauf auch so zupackend vorgehen, sollten wir es miteinander versuchen.“


Marketingidee vor Einstellung:
„Danke für Ihr Vertrauen. Ich möchte Ihnen gleich eine erste Marketingidee vorstellen.
Den Anstoß dazu habe ich in Seckbach bekommen. In einer Abendrunde wurde über Vereine und Vereinsmeier hergezogen. Außer den Mitgliedern des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels sei die große Mehrheit der Vereinsleute für Buch und Lesen verloren. Die Arroganz dieser Mehrheitsmeinung angehender Buchhändler hätte mich auch dann geärgert, wenn ich es nicht als aktives Mitglied des Alpenvereins besser
wüsste. Statt mit den Kollegen zu streiten, war es mir wichtiger, von diesem Augenblick an Ideen zu entwickeln. Fragestellung: Wie kann man erreichen, dass Vereine zu Verbündeten des Buchhandels werden?“
Den Kerngedanken ihrer Idee trug Maike H. ihrer künftigen Chefin vor (Buchmarktheft. November, Seite 52). Die Chefin sagte ihre Unterstützung zu. Die Aktion wurde zum Erfolg.

Zwei Beispiele für Ideen der Vereine:
> Das Team des Alpenvereins stellte Schaufenster und Aktionstisch in der Buchhandlung unter das Motto Lesen vereint – Bücher versetzen Berge.
Blickfang war eine über zwei Meter hohe, sehr realistisch gestaltete Attrappe des Matterhorns, das mittels Aufhängung an kaum sichtbaren Perlonschnüren über frontal präsentierten Büchern pendelte. Der Clou dieser Inszenierung: Das berühmte Matterhorn stand (hing) Kopf. Sein Gipfel wirkte wie ein gewaltiger Zeiger, der auf die Bücher wies. Verstärkt wurde die Zeigerwirkung des Gipfels durch einen in die Attrappe integrierten Spot.
Das Team des Alpenvereins trat in blauen Umhängen auf, die vorne und hinten mit dem Matterhorn-Pendel und denjenigen Buchcovern bedruckt waren, zu denen die
Alpler nicht nur befragt werden konnten sondern vielmehr durch Ausruf und direkte Ansprache Auskunft und Leseanstöße gaben. Wie eine lokale Zeitung begeistert schrieb:
„Bänkelsänger als Buchflüsterer vom Berg.“

> Die Reiter eröffneten ihre Aktionswochen mit einem spektakulären Rundritt durch die Stadt. Zu Pferd und auf Kutschen proklamierten sie unübersehbar ihr frei nach Shakespeare formuliertes Motto: „Ein Buch! Ein Buch! Ein Königreich für ein Buch!“
Die Satteltaschen der Pferde waren zu Buchattrappen umgebaut worden und auf den Kutschen thronten bis zu zwei Meter hohe Attrappen jener Bücher, die die Reitern dem
Publikum vorstellen wollte. Der Zug wurde durch einen als Herold kostümierten Reiter angeführt, der aus dem Stegreif diese Bücher pries wie hohe Herrschaften und die Termine für die regelmäßigen Leseparcours in der Buchhandlung ausrief. Blickfänge in Schaufenster und Buchhandlung waren u. a. eine lebensgroße Pferdeattrappe, die aus einer mit Büchern gefüllten Krippe zu fressen schien, sowie ein aus Büchern nachgebauter Parcours unter dem Slogan: „Leser nehmen alle Hürden!“
Die Leseparcours in der Buchhandlung waren regelmäßig überfüllt. Zumal sich einige Reiter als brillante Leseverführer erwiesen.