Hugendubel errichtete das erste deutsche Buchkaufhaus. Diese Meinung ist weit verbreitet, und so ist es auch in Wikipedia unter dem Stichwort „Heinrich Hugendubel“ zu lesen. Und das Haus Hugendubel selbst verlautbart auf seiner Website: „Am Münchner Marienplatz entstand die erste Großbuchhandlung Deutschlands mit einer Verkaufsfläche von über 2000 qm auf vier Ebenen.“
Richtig ist: Das erste deutsche Buchkaufhaus gab es schon in den Jahren der Weimarer Republik: das „Haus der Bücher“ von Gräfe und Unzer in Königsberg, einer Buchhandlung, deren Geschichte bis auf das Jahr 1722 zurückgeht und Ursprungshaus des heutigen bedeutenden Ratgeberverlages. Das „Haus der Bücher“ galt in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts als die größte und modernste Buchhandlung Europas.
Die erste Großflächenbuchhandlung der Bundesrepublik wurde nicht im Jahre 1979 von Heinrich Hugendubel in München errichtet, sondern bereits ein Jahr zuvor von Dr. Fritz Hodeige in Freiburg/Breisgau. Hodeige (1920-2001) war Geschäftsführer des Druck- und Verlagshauses Rombach in Freiburg, seit 1955 im Unternehmen tätig, seit 1956 dessen alleinvertretungsberechtigter Geschäftsführer und Schwiegersohn des Firmengründers Heinrich Rombach.
Das Druck- und Verlagshaus Rombach hatte, bis dahin nicht buchhändlerisch tätig, im Jahre 1972 die Buchhandlung Albert samt Antiquariat und Konzertagentur in der Freiburger Kaiser-Joseph-Straße erworben und kurz darauf die Buchhandlung Sintermann. 1978 entstand in der Bertoldstraße das erste Buchkaufhaus, das „Rombach-Center“ mit 1300 qm Verkaufsfläche.
Die Gründung des Rombach-Centers mit modernen Einkaufs- und Verkaufsstrukturen war es, die in der Branche eine lebhafte Diskussion über die Zukunft des deutschen Bucheinzelhandels auslöste - und nicht erst die Großfläche von Hugendubel am Marienplatz in München.
Rombach gab schon 1981 die Buchhandlung Albert auf und konzentrierte sich auf das Rombach-Center, das 1992 auf 2000 qm Verkaufsfläche vergrößert wurde und heute als Buchhandlung Rombach firmiert. 1996 wurden die Freiburger medizinische Fachbuchhandlung Schulz und die Freiburger Universitätsbuchhandlung Walthari erworben und ein Fachgeschäft „Rombach Klassik“ für klassische Musik, Noten und Musikalien eröffnet. 2001 wurde eine Filiale der Buchhandlung Rombach mit 800 qm Verkaufsfläche im Arenapark im benachbarten Lahr aufgebaut.
Im Gegensatz zu Hugendubel, einem Unternehmen, das sich bundesweit ausgedehnt hat, beschränkt sich Rombach auf den angestammten südbadischen Raum. Es gliedert sich in die Unternehmensbereiche Dienstleistung (mit Medienproduktion für Print und E-Books und angeschlossener spezialisierter Akademie), Buchhandel (mit den Buchhandlungen Rombach Freiburg und Lahr sowie der Walthari-Buchhandlung in der Universität), Verlage (mit Rombach, Salam, Kalam und dka) sowie Kulturveranstaltungen (mit Albert Konzerte). Eine wesentliche Beteiligung wird an der Badischen Zeitung gehalten.
Das Unternehmen befindet sich nach wie vor in Familienbesitz. Geschäftsführer sind seit 1986 Andreas und Dr. Christian Hodeige, die Söhne von Eleonore Hodeige-Rombach und Fritz Hodeige.
Wolfgang Ehrhardt Heinold