Frankfurter Buchmesse 13.10.2011 23:44
Stiftung Buchkunst: Ehrung mit Premiere und Abschied

Die ausgezeichneten Gestalter
Heute Nachmittag wurden traditionell die
Schönsten Deutschen Bücher ausgezeichnet. Der älteste Branchenwettbewerb setzt seit jeher Maßstäbe und wird das auch weiter so halten, versicherte
Karin Schmidt-Friderichs, die neue Vorsitzende des Stiftungsvorstands in ihrer Antrittsrede.
Allerdings wies sie auch auf Neuerungen hin. So werde sich die Jury künftig im II. Quartal zusammensetzen, der nächste Wettbewerb wird im I. Quartal 2012 ausgelobt. Im September wird dann die Entscheidung verkündet und die Ehrung vorgenommen. Der Buchmesse-Donnerstag wird jedoch weiter im Zeichen der
Schönsten Deutschen Bücher stehen.
Während bisher acht Kategorien ausgelobt wurden, wird die Zahl künftig auf fünf reduziert. Es wird nicht mehr 50 Auszeichnungen, sondern nur noch 25 geben. Die Mindestauflage wird von 20 auf 500 Exemplare erhöht, die Altersbeschränkung der Gestalter im Wettbewerb entfällt.
Da der Handel in der Vergangenheit zu wenig mit den schönsten Büchern anzufangen wusste, soll er künftig stärker integriert werden. „Der Wettbewerb bietet damit nicht weniger Chancen, sondern mehr Reputation“, resümierte Karin Schmidt-Friderichs.
Sie dankte abschließend
Thedel von Wallmoden für seine siebenjährige Arbeit als Stiftungsvorsitzender und
Uta Schneider für ihre elfjährige Tätigkeit als Geschäftsführerin.
Michael Lemling, Geschäftsführer der
Buchhandlung Lehmkuhl, begann seine Ausführungen mit Zahlen. So gebe der Deutsche jährlich 400 Euro für Druckerzeugnisse aus. Lediglich für einen Anteil von 148 Euro kaufe er Bücher – eine ernüchternde Statistik.
Er wies nicht nur auf den prognostizierten Umsatzrückgang der Buchbranche im Printbereich von 30 Prozent in den nächsten 15 Jahren hin, sondern auch auf die 55 Thesen zur Zukunft der Buchbranche. Nicht eine These beschäftige sich dabei mit Inhalten oder Buchkunst. „Entscheidendes fehlt also“, konstatierte er.
Die derzeitigen Debatten über den Buchmarkt seien weit von dieser Veranstaltung, in der die schönsten Bücher ausgezeichnet werden, entfernt. Nicht die Bücher, sondern eher Non-Books stehen im Vordergrund. Michael Lemling forderte, diese mutlose, kampflose und lautlose (hier versagte sogar die Technik!) Preisgabe der Inhalte aufzugeben. Man solle über die sogenannten „Erlebniswelten“ im Buchhandel besser nachdenken, denn sie versprächen nichts weniger als ein Erlebnis.
Die Stiftung Buchkunst und der Buchhandel können ideale Verbündete sein – das soll künftig bewiesen werden.
Nach dieser eindrücklichen Mahnung, die mit viel Beifall aus dem großen Publikum aufgenommen wurde, fand die Auszeichnung der schönsten deutschen Bücher statt.
Zum Wettbewerb
Schönste Deutsche Bücher 2010 wurden 1.034 Bücher eingereicht. 45 Bücher erhalten eine Prämiierung, acht eine Anerkennung.
Der mit 4.000 Euro dotierte 1. Preis geht an den
Suhrkamp Verlag für
Oswald Eggers
Die ganze Zeit. Die Urkunde nahmen Autor und Gestalter
Oswald Egger und Gestalterin und Herstellerin
Nina Knapitsch entgegen.
Der 2. Preis (3.000 Euro) wurde dem
Ravensburger Buchverlag Otto Maier für
Kafka von
Franz Kafka und
Stefanie Harjes verliehen, Illustratorin
Stefanie Harjes und die Geschäftsführerin des Verlags,
Ulrike Metzger freuten sich über die Urkunde.
Der 3. Preis wurde geteilt; 1.500 Euro erhält die
disadorno edition Berlin für
Stets zu erschießen sind Frauen, die in der Roten Armee dienen/Geständnisse deutscher Kriegsgefangener über ihren Einsatz an der Ostfront von
Hannes Heer und
Gaston Isoz (Herausgeber), den Gestalter, Hersteller und Verleger
Gaston Isoz entgegennahm.
Ebenfalls über 1.500 Euro freute sich der
Hatje Cantz Verlag für den Titel
Done. Book von
Wolfgang Scheppe, Herstellerin
Christine Emter nahm die Glückwünsche entgegen.
Die Förderpreise für junge Gestalterinnen und Gestalter, dotiert mit je 1.700 Euro, konnten
Doris Freigofas für das Buch
Von einem, der auszog das Fürchten zu lernen,
Golden Cosmos, Berlin;
Jeffrey Goldstein und
Andrew Goldstein für
Ein Buch über die Welt. Das Kloster Disentis,
Benteli Verlag, Bern; und
Felix Stumpf und
Peter Brugger für
Leuchtende Bilder von
Hans Joachim Reuter,
Regiofactum Saarbrücken/Hartung-Gorre Verlag, Konstanz entgegen nehmen.
Anschließend wurden die Prämiierungen und Anerkennungen überreicht, alle Details sind unter
www.stiftung-buchkunst.de nachlesbar.
JF