- Interview mit Kristín Steinsdóttir

Kristín Steinsdóttir
Die Schriftstellerin und Übersetzerin Kristín Steinsdóttir kennt als Vorstandsvorsitzende des Isländischen Schriftstellerverbandes den Markt.
Was lesen die isländischen Kinder gerne?
Wie auch in Skandinavien oder Deutschland wird seit dem Erscheinen der Harry Potter-Bände viel Fantasy geschrieben. In Island waren phantastische Geschichten aber auch davor beliebt, Geschichten über Geister, Elfen und Trolle. Das hängt wohl mit unserer Geschichte zusammen, mit der Lage des Landes, mit den Bergen, mit der Ödnis im Landesinnern und mit der Dunkelheit im Winter.
Im Sommer ist es rund um die Uhr hell…..
Wir kennen auch Trolle, die nie ausgehen dürfen bei Sonnenschein, weil sie sonst zu Stein werden. Sie wollen trotzdem frische Luft schnappen, besuchen sich gegenseitig, verlieben sich und vergessen die Zeit. Und im Nu strahlt die Sonne und sie verwandeln sich in Steine. Darum sieht man auch so viele tolle Steine in unserer Landschaft, Trollsteine, Riesenberge! Wir lieben Phantasiegeschichten, die Realität mit Volksmärchen verbinden.
Was lesen die Jugendlichen?
Jugendbücher haben nicht richtig Anklang gefunden. Viele Jugendliche fangen früh an, Literatur für Erwachsene zu lesen. Oft lesen jüngere Kinder die Jugendbücher, weil sie davon träumen, groß zu sein.
Ist Lesen eine beliebte Freizeitbeschäftigung?
Die Mädchen lesen mehr als die Jungen. Aber im Großen und Ganzen wird viel gelesen. Die Schulen und Bibliotheken engagieren sich sehr für das Lesen, und es ist ein Brauch, dass jeder mindestens ein Buch zu Weihnachten bekommt. Es wird viel über Bücher geredet und man freut sich auf Neuerscheinungen.
Wie hat sich die Finanzkrise 2008 ausgewirkt?
Die Krise hat auch die Schulen getroffen. Es bereitet uns Sorgen, dass jetzt unter anderem in den Schulbibliotheken gespart wird. Wo die Schulbibliothek ist, schlägt das Herz der Schule.
Nur wenige isländische Kinderbücher schaffen den Weg zur deutschen Übersetzung. Wie erklären Sie sich das?
Man hat sich bemüht, aber leider scheinen die deutschen Verlage wenig Interesse an unseren Kinderbüchern zu haben. Sie haben ihre eigenen Autoren und sind anscheinend damit zufrieden. Im Juni, Juli haben isländische Autoren im Rahmen der Internationalen Kinder- und Jugendbuchwochen in Köln in Bibliotheken und Schulen gelesen. Es war wunderbar. Viele Texte wurden eigens übersetzt, und die Kinder haben es meiner Meinung nach genossen. Aber es ist schwer einen Verlag zu finden. Hoffentlich ändert sich das mit der Zeit.
Auf Deutsch sind zwei neue Bücher für Erwachsene von Kristín Steinsdóttir erschienen: Von ihrer Kindheit in den 50er Jahren erzählt sie in dem Hörbuch „Leben im Fisch“ (supposé) und C. H. Beck bringt den Roman „Im Schatten des Vogels“. Der Roman „Eigene Wege“ (C. H. Beck 2009) ist ab Oktober als Taschenbuch bei dtv lieferbar.