Auszeichnungen
Kein Beweis für stetige Qualität, aber doch ein Indiz für einen Trend: Die aktuelle BuchMarkt-Hörbuchverlag-Bestenliste sagt, welches Label in den letzten Jahren die meisten wichtigen Hörbuchpreise gewonnen hat. Sind Namen dabei, die Sie nicht kennen?
Das sind Geheimtipps, die sich Buchhändler merken sollten! Denn auffallend ist nicht nur die konstante Qualität der etablierten großen Verlage, sondern auch die erfreulich hohe Platzierung so mancher kleinerer Anbieter. An der Übersicht erkennen Händler, wo sich das Ordern tendenziell mehr lohnt, und entdecken auch den einen oder anderen „Geheimtipp“, über den sich vor allem Stammkunden freuen werden.
Für unser Ranking werden renommierte Auszeichnungen im Bereich Hörbuch berücksichtigt, jedoch Musikpreise o.ä. nicht mitgezählt. In die Statistik eingeflossen sind:
– Platzierungen auf der hr2-Hörbuchbestenliste
– hr2-Hörbücher des Jahres
– Nennungen auf Viertel- und Jahreslisten der Deutschen Schallplattenkritik
– Nominierungen und Gewinne des Deutschen Hörbuchpreises
– Gewinner des „HÖRkules“ und „HÖRkulino“
– Gütesiegel „Grandios“ des Printmagazins „hörBücher“
– Gütesiegel „Auditorix“ der Initiative Hören
– Jury- und Publikumspreis „Ohrkanus“
– Österreichs „Buchlieblinge“ im Bereich Hörbuch
– Hörbücher des Monats des 1200 Bibliotheken umfassenden Sankt-Michaels-Bundes
Mehr als 2.200 Hörbuchpreis-Auszeichnungen in den letzten 14 Jahren für fast 170 Verlage – immer länger und aussagekräftiger wird die Statistik der am meisten ausgezeichneten Hörbuchverlage. Doch die Illusion, mit „ausgezeichneter“ Qualität auch automatisch Umsatz zu machen, müssen wir interessierten Händlern leider nehmen. Autor, Ladenpreis, Platzierung auf den Bestsellerlisten – dies alles hat oftmals Vorrang bei der Kaufentscheidung des Kunden. Trotzdem: Argumente im Verkauf liefern Jury- und Publikumspreise allemal. Vor allem zeigen sie, dass man die richtige Auswahl getroffen hat und seinen Kunden offensichtlich Gutes anbieten kann.

© BuchMarkt 7/2011
Was aber ist mit all der schönen Qualität, die unentdeckt bleibt? Die vielleicht keine Preise oder, schlimmer noch, nur wenig Käufer bekommt? Wir haben – ausschnittweise – die Verlage nach Geheimtipps gefragt, bei denen man sich angesichts ihrer hohen Qualität über den mangelnden Verkaufserfolg wundern kann.
Hörbuch Hamburg empfiehlt beispielsweise Rolf Lapperts „Nach Hause schwimmen“, eine wunderbare Andacht an das Leben, oder auch Curzio Malapartes Roman „Die Haut“, der die Verheerungen des Krieges eindringlich und bildgewaltig schildert – beide Titel haben beste Kritiken eingefahren. Der persönliche Tipp von Verlagschef Johannes Stricker: „Die Schuld des Tages an die Nacht“ von Yasmina Khadra: „Kein Bestseller, aber ein Hörbuch so schön und traurig wie eine Geschichte aus 1.001 Nacht, von Hörbuchpreisträger Matthias Brandt fein und klar gelesen.“
Arena-Chef Albrecht Oldenbourg empfiehlt die Hörbücher der „Arena Bibliothek des Wissens“, kurzweilig gelesene Biografien von Friedrich Schiller, Alexander dem Großen oder auch Caesar. „Spannend wie ein Krimi, lernt man dabei eine Menge historischer Fakten. Diese Sach-Hörbücher sind einzigartig auf dem Jugendbuchmarkt und auch für Erwachsene absolut hörenswert.“
Persönliche Geheimtipps, denen man mehr Hörer wünschen würde, habe „jeder hier im Verlag“, so Heike Völker-Sieber, Pressesprecherin des
Hörverlags, und nennt zwei Beispiele: zum einen das Hörbuch „Gargoyle“, Andrew Davidsons Mischung aus Mystery, Phantastik, Romantik und Thriller – „das wurde bisher noch zu selten entdeckt, aber ein schöner Anlass dazu bietet sich mit der Sonderausgabe“. Zum anderen die aufwändigen Hörspiel-Inszenierungen der Val-McDermid-Reihe, zuletzt „Ein kalter Strom“.
Auch die von allen Kritikern gelobten Hörbücher „Ghosthunter“ und „Ghostfighter“ von Derek Meister sind bisher vom Publikum nur wenig entdeckt worden – unverständlich für die
Hörcompany-Mitbegründerin Andrea Herzog, die sich privat im Buchhandel eher an Bestenlisten orientiert: „Dadurch habe ich schon wunderbare Bücher und Hörbücher entdeckt.“
René Wagner