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Der Verlag Kiepenheuer & Witsch wurde nach dem Zeiten Weltkrieg in Köln gegründet

Erster Sitz des Verlages war Hagen/Westfalen. Gründer waren der Verleger Gustav Kiepenheuer (1880-1949) aus Weimar und der Bibliothekar Joseph Caspar Witsch (1906-1967) aus Jena.

Das letzte gesamtdeutsche Adressbuch des Deutschen Buchhandels von 1948, im Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler zu Leipzig erschienen, kennt den Verlag noch nicht. Es weist die Gustav Kiepenheuer Verlag G.m.b.H. mit Sitz in Weimar aus, Geschäftsführer Gustav Kiepenheuer, Prokuristin Charlotte Ehlers. Außerdem ist darin in Berlin die Kiepenheuer Bühnenvertriebs G.m.b.H. unter der Geschäftsführung von Dr. Werner Schendell verzeichnet.

Witsch und Kiepenheuer schließen nach Angaben in Olzogs Dokumentation deutschsprachiger Verlage bereits 1947 in Jena einen Gesellschaftervertrag zur Gründung eines Verlages in Westdeutschland ab. Nach einer im Internet zugänglichen Chronik des Verlages wird der Vertrag 1948 in Hagen geschlossen.

Jedenfalls verlässt Witsch 1948 die Sowjetische Besatzungszone und erhält noch im November dieses Jahres eine Lizenz der britischen Besatzungsbehörde, Bücher in einem Verlag herzustellen und zu vertreiben. Der Verlag wird im März 1949 in Hagen und eben nicht in Köln in das Handelsregister eingetragen. Schon im April 1949 verstirbt Gustav Kiepenheuer in Weimar.

Kiepenheuer & Witsch gibt in seiner Verlagschronologie an, als erster Titel sei im neuen Verlag in Zusammenarbeit mit dem Amsterdamer Verlag Allert de Lange Die Legende vom heiligen Trinker von Joseph Roth erschienen. Im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek ist diese Publikation als 2. Auflage mit Verlagsangabe lediglich von Allert die Lange verzeichnet, außerdem die erste Auflage des Buches von 1939 ebenfalls in diesem Verlag.

Die Verlagschronik berichtet, dass der Verlag im Oktober 1949 auf der ersten Frankfurter Buchmesse 25 Titel ausgestellt und einen Umsatz von 8000 Mark erzielt habe und im Januar 1950 von Hagen nach Köln verzogen sei. Offensichtlich hat er zu dieser Zeit noch unter der Bezeichnung Verlag Gustav Kiepenheuer publiziert und im Jahre 1951 als erstes Buch unter dem Namen Kiepenheuer & Witsch Vicki Baums Roman Marion herausgebracht. Im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek ist der Titel mit dem Zusatz „1. bis 10. Tausend“ als Veröffentlichung von Kiepenheuer & Witsch in Köln zu finden. Allerdings handelte es sich um keine Erstausgabe, sondern um den Nachdruck von Ausgaben, die in Exilverlagen erschienen sind.

Kiepenheuer & Witsch entwickelte sich rasch zu einem der führenden literarischen Verlage Westdeutschlands bzw. der Bundesrepublik. Zum Erfolg des neuen Verlages trug wesentlich der spätere Nobelpreisträger Heinrich Böll [mehr...] bei, dessen erste Veröffentlichung in diesem Verlag 1953 der Roman Und sagte kein einziges Wort war.

Der Gustav Kiepenheuer Verlag in Weimar wurde 1977 an den Kinderbuchverlag verkauft und später in Leipzig mit dem Insel Verlag Leipzig, der Dieterich´schen Verlagsbuchhandlung und dem Paul List Verlag Leipzig zur Verlagsgruppe Kiepenheuer zusammengeschlossen. Heute gehört der Verlag zur Berliner Aufbau-Verlagsgruppe; in Leipzig hat er keinen Sitz mehr.

Kiepenheuer & Witsch in Köln gehört seit 2002 zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck; Verleger ist Helge Malchow.