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Beim Böhlau Verlag in Köln, Wien und Weimar und dem Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger in Stuttgart handelt es sich um dasselbe Unternehmen

Der Böhlau Verlag und der Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger werden im Bestellverkehr, auf Buchmessen und natürlich auch von Käuferinnen und Käufern häufig miteinander verwechselt. Doch es sind voneinander unabhängige Unternehmen ohne jede kapitalmäßige Verflechtung. Allerdings gehen beide Verlage auf die gleiche Wurzel zurück. Dass es heute zwei Verlage mit dem Namen Böhlau gibt, ist eine Folge der Teilung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die „Mutter aller Böhlau Verlage“ ist eine mitten im 30-jährigen Krieg im Jahre 1624 gegründete Hofbuchdruckerei am Fürstenhof zu Weimar. 1853 erwarb der Buchhändler Hermann Böhlau (1826-1900) die Druckerei und baute den Verlag mit den Themenbereichen Rechtsgeschichte, Geschichte und dazu gehörigen Hilfswissenschaften aus. Seine Teilhaber Albert Hartung und Gerhard Demmerling übernahmen der Verlag 1895 und führten ihn unter der Firmierung Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger weiter.

Der österreichische Rechtswissenschaftler Geheimrat Professor Dr. Karl Rauch übernahm 1924 zunächst die Zeitschrift für Rechtsgeschichte und später den ganzen Verlag, um ihn vor dem Konkurs zu retten. Nach 1930 erwarb er die Weimarer Immobilien des Verlages und stellte 1937 Dr. Leiva Petersen als Lektorin ein. Sie erhielt 1946 von der Sowjetischen Militäradministration die Lizenz zur Weiterführung des in österreichischem Privatbesitz befindlichen Unternehmens, an dem die Familie Rauch sie mit 10 Prozent beteiligte.

Professor Dr. Karl Rauch (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Verleger der deutschsprachigen Ausgaben der Werke von Antoine de Saint-Exupérie) gründete 1947 in Marburg den Simons Verlag, benannte diesen 1951 in Böhlau Verlag um und übersiedelte ihn nach Münster und im Jahre 1957 nach Köln. Gemeinsam mit seinen Kindern gründete er in Graz den Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger und verlegte ihn später nach Wien. Die Leitung übernahm zunächst sein Sohn Dr. Karl-Wolfgang Rauch und nach dessen frühem Tod dessen Bruder Dr. Dietrich Rauch. Die Verlage sollten die Editionen, Zeitschriften und Reihen übernehmen, die in Weimar nicht mehr zu halten waren.

Wie aber kam es zur Aufspaltung in zwei verschiedene Unternehmen, nachdem ja die Böhlau Verlage in Köln, Wien und Weimar alle in den Händen der Familie Rauch waren? Die Schwierigkeiten privater Verlage in der DDR sind bekannt. Dr. Dietrich Rauch stimmte 1978 dem Vorschlag der dortigen Behörden zu, das Weimarer Haus Hermann Böhlaus Nachfolger dem (Ost-)Berliner Akademie Verlag anzugliedern. Der Präsident der Akademie der Wissenschaften veräußerte das Weimarer Unternehmen 1990 nach dem Ende der DDR an Dr. Joachim Bensch, Geschäftsführer des Jan Thorbecke Verlages in Sigmaringen. Böhlau Wien/Köln bzw. die Familie Rauch wurden nicht berücksichtigt. Bensch verkaufte Hermann Böhlaus Nachfolger 1998 an den traditionsreichen, 1682 gegründeten Stuttgarter Metzler Verlag weiter. Dieser wiederum gehört nach wechselvoller Geschichte seit 1991 zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck.

Dr. Dietrich Rauchs Sohn Peter übernahm1987 die Verlagsleitung der Häuser in Köln und Wien Sie liegt heute in seinen Händen und seit Mai 2010 auch in denen seines Sohnes Johannes Rauch. 1991 wurde eine kleine Niederlassung in Weimar gegründet, während die Holtzbrinck-Gruppe ihr Weimarer Haus 2002 in das Stuttgarter Metzler-Stammhaus integrierte. Sie führt den Verlag als Imprint mit seinem alten ISBN-Präfix 978-3-7400 weiter, während Metzler das Präfix 978-3-476 innehat. Das Haus in Köln und Weimar hat das Präfix 978-3-412, das Wiener 978-3-205.

Der Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger in Stuttgart führt die Schiller Nationalausgabe sowie weitere bedeutende Großwerke wie die Weimarer Ausgabe von Martin Luthers Werken und die historisch-kritische Ausgabe von Jean Pauls Werken fort.

Der Böhlau Verlag in Wien. Köln und Weimar pflegt ein umfangreiches Programm auf den Gebieten Geschichte, Rechtsgeschichte, Slavistik, Theologie/Religion, Philosophie, Musik, Theater, Literaturwissenschaft, Kommunikationswissenschaft, Sozialwissenschaft, Politik, Pädagogik/Bildungsforschung, Volkskunde/Europäische Ethnologie, Natur/Technik, Arbeitshilfen, sowie Periodika aus verschiedenen dieser Gebiete.

Die Weiterleitung fehladressierter Bestellungen ist für die Vertriebsabteilungen der verschiedenen Böhlau Verlage eine kollegiale Selbstverständlichkeit.

Wolfgang Ehrhardt Heinold