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Rumbergs Randnotiz

25.10.2010 09:58 PR-Lehrstücke: über die Parallelen zwischen Integrations- und Vergangenheitsdebatten

Es ist ein erstaunlicher Bücherherbst. Jedenfalls aus PR-Sicht. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen kann man kaum eine Nachrichtensendung anstellen, keine Zeitung in die Hand nehmen, ohne mit ein- und demselben Thema konfrontiert zu werden. Und wieder geht es dabei um ein Buch, genauer: um ein Sachbuch, noch genauer: um ein noch gar nicht erschienenes historisches Sachbuch. Und wieder kommt dies Buch aus dem Random-House-Reich.

Damit enden dann jedoch vermutlich auch die Parallelen zwischen Thilo Sarrazins sich selbst abschaffendem Deutschland (bei der DVA) und dem schwergewichtigen Band: „Das Amt und die Vergangenheit: Deutsche Diplomaten im Dritten Reich und in der Bundesrepublik“, das in den nächsten Tagen in die Buchhandlungen kommen wird und bei Blessing erscheint. Weder die Kanzlerin noch der Bundespräsident werden PR-technisch dafür zur Verfügung stehen. Aber - und da gibt es dann wohl doch noch eine Parallele: die öffentliche journalistische Beschäftigung mit dem Werk begann in der Frankfurter Allgemeinen Sonntags-Zeitung, genauer: sie begann mit der Auseinandersetzung von FAZ und FAS-Herausgeber Frank Schirrmacher mit dem Thema, dem gestern das Kunststück gelang, die Feuilleton-Lage der FAS nahezu im Alleingang zu füllen (nach einem Artikel aus der eigenen Feder mit drei doppelseitigen Interviews (mit Alt-Bundespräsident und Ernst von Weizsäcker Sohn Richard von Weizsäcker, mit Ex-Außenminister Joschka Fischer, der die vorliegende Studie in Auftrag gegeben hatte und mit dem Vorsitzenden der Historiker-Kommission, Eckhart Conze) [mehr...].

Gestern schon zogen die elektronischen Medien nach und heute morgen gibt es kaum ein Blatt, vom Spiegel über die Süddeutsche und die Welt bis zu Regionaltiteln, die sich des Themas nicht annehmen. Leider wird dies Buch keine auch nur annähernd so großen Verkaufszahlen erreichen wie der Sarrazin-Band. Denn das Thema „Vergangenheitsbewältigung“ ist ja doch für die meisten Zeitgenossen irgendwie „durch“. fünfstellige Verkaufszahlen aber wird es sicher erreichen (schon durch die Abnahmen aus dem heutigen Auswärtigen Amt, wo es für jeden gegenwärtigen und künftigen Beamten Pflichtlektüre sein sollte.

Und zwei Dinge kann man lernen: zum einen, dass es durchaus noch eine journalistische und feuilletonistische Debattenkultur gibt in unserem Land – und dass diese weder auf facebook noch auf twitter (auch nicht im digitalen „Lesesaal“ der FAZ), sondern tatsächlich in den Leitmedien (interessanterweise: denen am Sonntag) ihren Ausgang nimmt. Und dass PR-Profis (wie in diesem Fall Thomas Karlauf im Verbund mit seinem – und Schirrmachers – Verlag) solche Debatten zwar in ihrer Entwicklung (siehe Sarrazin) zwar nicht mehr steuern, aber doch immerhin anstoßen können. Man darf gespannt sein, ob dieser Bücherherbst noch einen dritten solchen öffentlichen Titel bereithält.

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