Auszeichnungen 08.10.2010 19:18
Stiftung Buchkunst übergab Urkunden für schönste Bücher

Thedel von Wallmoden

Der mit insgesamt 10.000 Euro dotierte
Preis der Stiftung Buchkunst wurde gestern Abend auf der Frankfurter Buchmesse überreicht.
Der Preis wird seit 1984 jährlich vergeben und würdigt das außerordentlich hohe Engagement der Verlage und aller an der Herstellung Beteiligten.
Thedel von Wallmoden, Vorsitzender der Stiftung Buchkunst, eröffnete die Ehrungen mit einem Gedicht von
Karl Wolfskehl: “Büchern bin ich zugeschworen,
Bücher bilden meine Welt.
Bin an Bücher ganz verloren,
bin von Büchern rings umstellt.“
Doch sind Bücher noch die Welt? Erstmals seit fast 50 Jahren ist die 1965 gegründete Stiftung Buchkunst bedroht; der
Börsenverein des Deutschen Buchhandels sieht sich zu einer dramatischen Sparpolitik gezwungen, ein Bemühen, das die Stiftung Buchkunst mehrfach betrifft. Der Börsenverein bemängelt die schwache Öffentlichkeitswirkung der Auszeichnung der schönsten Bücher, die kaum zu Mehrverkäufen führe. Zeichne nicht aber ästhetische und haptische Qualität ein Buch neben dem Inhalt auch aus? „Die Lage ist ernst“, musste Thedel von Wallmoden feststellen und bat alle Anwesenden, die Auszeichnung mehr ins Blickfeld zu rücken und für größere öffentliche Wirkung zu sorgen. „Es hilft wenig, wenn der Vorsteher des Börsenvereins,
Gottfried Honnefelder, in seinem Berlin University Press Verlag auf Qualität achtet. Bisher ist Qualität ein Markenzeichen deutscher Buchkultur, daran hat die Stiftung Buchkunst gemeinsam mit den Verlagen Anteil“, postulierte Thedel von Wallmoden und fügte hinzu: „Unsere nationale Kultur ist vor allem eine Buchkultur. Das schließt alles ein, auch das elektronische Buch, denn auch hier ist gute Lesbarkeit gefragt. Wir dürfen keine Wüste des beliebigen Einerleis zulassen!“ Deshalb sollte im Marketing und im Vertrieb verstärkt mit den Auszeichnungen gearbeitet werden.
Elisabeth Abendroth vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst stellte eine gewichtige Tasche aufs Pult: „Hier ist ein Argument für das E-Book und acht Argumente für das gedruckte Buch. Für das E-Book spricht das Gewicht der Tasche, für die Printausgaben die schönen Bücher.“
Nach einem Dank an die engagierte und fachkundige Jury folgte die Preisverleihung, bei der Elisabeth Abendroth die Bücher aus der Tasche holte und erläuterte, warum gerade diese Werke ausgewählt wurden.
Der 1. Preis, mit 5000 Euro dotiert, ging an den
mareverlag, Hamburg, für
Atlas der abgelegenen Inseln von
Judith Schalansky.
Der
S. Fischer Verlag, Frankfurt, erhielt den mit 3000 Euro dotierten 2. Preis für
Such dir was aus, aber beeil dich. von
Nadia Budde.
Der 3. Preis wurde zweimal vergeben: Je 1000 Euro gingen an den
Steidl Verlag, Göttingen, für
Portfolio. 40 Phatos 1941/1946 von
Robert Frank und an den
Rowohlt Verlag, Reinbek, für
Endpunkt, Gedichte von
John Updike.
In dieser Kategorie erhalten die jeweiligen Verlage das Preisgeld.
Beim Förderpreis für junge Buchgestalter unter 35 Jahren erhalten die Gestalter die Preisgelder in Höhe von jeweils 1.700 Euro. Der erste Förderpreis wurde an
Demian Bern für
Fluctuating Construction von
Helmut Dietz, erschienen bei
exp.edition, Stuttgart, übergeben.
Den nächsten Förderpreis konnten
Elisabeth Hinrichs,
Aileen Ittner und
Daniel Rother für
XX – Die SS-Rune als Sonderzeichen auf Schreibmaschinen, publiziert vom
Institut für Buchkunst an der HGB Leipzig, mit nach Hause nehmen. Dieses Buch erhielt im Frühjahr 2010 in Leipzig bereits die
Goldene Letter im Wettbewerb
Schönste Bücher aus aller Welt.
Über einen weiteren Förderpreis freute sich
Nicolas Bourquin für
Design Reaktor Berlin von
Axel Kufus,
Judith Seng,
Marc Piesbergen und Herausgeben
Joachim Schirrmacher, erschienen an der
Universität der Künste (UDK), Berlin.
Uta Schneider konnte außerdem 47 Prämierungen und 17 Anerkennungen an 54 Verlage überreichen.
Eingesandt wurden insgesamt 1035 Bücher aus 440 Verlagen.
Wer sich für dieses Jahr am Wettbewerb
Schönste Bücher beteiligen möchte, sollte seine Favoriten bis zum 31. Oktober 2010 an die Stiftung Buchkunst schicken.
JF