Printausgabe

Zur Webcam
News / Kolumnen / Praxis / Specials / Bestseller / Stellenmarkt / Wer gehört zu wem? / Shop / Titelschutzanzeigen / Mediadaten

Kolumnen


Suche:  ?
Home / Login / Registrierung
150

Rumbergs Randnotiz

27.09.2010 08:51 Und nochmal die Mehrwertsteuer: Was wäre, wenn?

Was wäre, wenn die Mehrwertsteuer für gedruckte Bücher auf den Regelsatz von 19 Prozent steigen würde? Galten gestern die sonntäglichen Betrachtungen [mehr...] der allgemeinen Frage nach der Zukunft des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes, so sollen zum Wochenbeginn doch ein paar ganz konkrete, durchaus eher betriebswirtschaftliche Fragen gestellt werden. Was also wäre wenn?

Im vergangenen Jahr hat die Buch-Branche (nach Endverbraucherpreisen gerechnet) einen Umsatz von rund 9,7 Milliarden gemacht. Davon waren also gut 600 Millionen Mehrwertsteuer. Etwa neun Milliarden blieben also in den Kassen der Verlage und Buchhändler. Würden die Endkunden nach einer Mehrwertsteuererhöhung genauso viel für Bücher ausgeben wie vorher, so betrüge der Mehrwertsteueranteil dann rund 1,7 Milliarden – und für Buchhändler und Verlage bleibe eine Milliarde weniger in der Kasse.

Um es noch konkreter zu machen. Von einem Buch, das z.B. 10 Euro kostet werden heute rund 65 Cent MwSt. fällig – künftig wären es etwa 1,60 Euro. Oder anders herum: bei einem Rabatt von 50 Prozent für den Buchhändler gerechnet bleiben diesem heute 4,67 Euro und künftig wären es nur noch 4,20 Euro. Das gleiche würde für den Verlag gelten. Auch Autoren kämen nicht ungeschoren davon, bezieht sich ihr Honorar doch auch den Nettoladenpreis. Nehmen wir der Einfachheit halber einen Honorarsatz von 10 Prozent an, so bekäme er heute pro verkauftem 10 Euro-Buch 93 Cent – und künftig wären es nur noch 84 Cent.

Natürlich kann man diese Rechnung auch umdrehen: Um auf die gleichen Nettoumsätze wie heute zu kommen müssten die Kunden nach einer Mehrwertsteuererhöhung statt 9,7 Milliarden künftig 10,8 Milliarden jährlich für Bücher ausgeben. Die Wahrheit würde vermutlich irgendwo in der Mitte liegen. Einen Teil der Mehrwertsteuererhöhung würden die Verlage an die Kunden weitergeben (und zum Teil überkompensieren); Bücher die heute 7,80, 7,90, 7,95 oder 7,99 Euro kosten würden dann vermutlich für 8,80, 8,90, 8,95 oder 8,99 Euro zu haben sein. Aber wie wäre das bei den zahlreichen Produkten, die heute 9,90, 9,95 oder 9,99 Euro kosten? – Rein rechnerisch würden aus 9,99 Euro 11,11 Euro, was wohl kaum ein Verlag regelmäßig als Preis für Taschenbücher festlegen würde. Etwas ähnliche gilt bei Preisen an der Schwelle zu 15, 20 oder 25 Euro. Bei den meisten der Produkte, die heute knapp unterhalb dieser Schwellenpreise liegen würde die Mehrwertsteuererhöhung wohl nicht an die Endkunden weitergegeben. Insgesamt, so ist zu befürchten, würde der Nettoumsatz der Buchbranche sinken.

Eine kleine Nachdenklichkeit noch zum Schluss: war da nicht etwas, das sich Buchpreisbindung nennt? Und ist nicht der gebundene Preis, den man als Verlag nennt immer der Endverbraucherpreis? Was genau würde also mit Millionen lieferbarer Titel geschehen, für die der Nettoerlös aus dem gebundenen Preis plötzlich dramatisch geringer wäre – für Verlage, für Buchhändler aber auch für die Autoren? Da die Buchbranche ja eine ist, die eher mit einstelligen Margen rechnet als mit 30 Prozent, würde so etwas ja gegebenenfalls dazu führen, dass nahezu flächendeckend rote Zahlen geschrieben würden.

Aber vielleicht wird ja auch alles gut, der ermäßigte Mehrwertsteuersatz kommt auch für E-books und Hörbücher oder fällt wie in Großbritannien ganz weg (etwas was die Zeitungs- und Zeitschriftenverleger hierzulande bereits gefordert haben). Träumen wird man ja noch dürfen, auch am Montag-Vormittag – und damit eine gute Vor-Messe-Woche.

Weitere Kolumnen von Rumbergs Randnotiz