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Rumbergs Randnotiz

09.09.2010 16:41 Wie Sarrazin zum Schrumpfen des stationären Buchhandels beiträgt

„Sarrazin stürmt die ebook charts“ war heute im news-flash des Börsenblatts zu lesen. Kein Wunder: wer einen ebook-reader sein eigen nennt, und kurzfristig mitreden will zum Buch-Hype-Thema der letzten 12 Tage, für den ist das der bequemste Weg.
Nicht nur, weil die gedruckte Version vergriffen ist, der Weg in die Buchhandlung zu weit oder man nicht warten will, nein vor allem in erster Linie wohl auch deshalb, weil, wie BuchMarkt-Herausgeber Christian von Zittwitz in der "Welt am Sonntag" zitiert wurde, „so einen Sarrazin doch niemand ernsthaft im Regal stehen haben“ will. Er ist dort (ich habe nachgefragt) nicht ganz richtig verstanden worden: „So einen Sarrazin“ war durchaus pars pro toto und ganz wertneutral für das schnelle, aktuelle Sachbuch gemeint, das (ähnlich wie die Zeitung von gestern) schon übermorgen kaum noch jemanden interessiert und jedenfalls auf Dauer nicht die bildungsbürgerliche (zu Schweigen von der –ferneren) Bücherwand schmücken wird.
Was sich mit dem Sarrazinschen-Erklimmen des Gipfels aller ebook-Sellerlisten andeutet ist für dieses Segment eine kleine Revolution: Wenn die Lesegeräte erst flächendeckend verbreitet sein werden, dann wird dieser Teil des Buchmarktes, also der von Büchern, die sich zum Wiederlesen oder als Referenzwerke eher weniger anbieten tendenziell in die digitale Darreichungsform abwandern. Die Verlage freut das, sie müssen nicht mehr komplizierte Auflagenüberlegungen anstellen (denn darum nebenbei bemerkt beneidet im Augenblick die DVA-Verantwortlichen wohl niemand – zu disponieren immer mit dem Risiko, hohe Prozentsätze der jetzt schnell nachgedruckten Menge als Remission wieder zurückzubekommen). Gleichzeitig können sie einen Hype gleichsam in Echtzeit bedienen. Aber wie ist das eigentlich für die stationären Buchhändler? Deren Anteil an diesem Segment wird wohl ganz deutlich zurückgehen; auch dafür ist Sarrazin ein Fanal.

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