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Rumbergs Randnotiz

05.07.2010 09:34 Fußball, Fußball über alles!

Sie hatten gehofft, wenigstens hier vor schwarz-rot-goldenem Gedröhn, Vuvuzela-Lärm und überschäumender Löw-Müller-Schweinsteiger-Klose-Begeisterung verschont zu bleiben. Aber: In diesen Tagen kommt eben niemand an der schönsten Nebensache der Welt vorbei. Und so ganz langsam kann man sich ja auch mit dem Gedanken vertraut machen, dass nicht nur Bierverkäufer auf Fanmeilen von der neuerlichen Fußball-Euphorie profitieren. Die spanische Mannschaft erscheint – so wie sie am Samstag gespielt hat – von der deutschen in ihrer Form des Argentinien-Spiels bezwingbar zu sein, und die Niederländer wurden schließlich schon einmal von einem Spieler Namens Müller final um ihre WM-Träume gebracht.
Sollte der WM-Traum von Jogis Jungs tatsächlich in Erfüllung gehen und die Neuauflage des 2006er Sommermärchens von einem happy-end gekrönt werden, so könnte dies durchaus bis hin zu den weihnachtlichen Gabentischen auch eine gute Nachricht für den Buchhandel sein. Im Vorfeld und während der Heim-WM vor vier Jahren gab es zahlreiche Fußball-Sondertische, ungezählte Neuerscheinungen und Neuauflagen – und großen Katzenjammer. Die Fans kauften lieber Bier beim Public Viewing als Lektüre in der Buchhandlung.
Dieses Jahr herrschte daher merkliche Zurückhaltung sowohl im Handel als auch bei den Verlagen. Eine große Welle von Neuerscheinungen war nicht zu verzeichnen und auch massive Sonderpräsentationen sind weitgehend ausgeblieben. Betrachtet man, was zum Thema Fußball gut verkauft wurde, so findet man neben den Alben mit den Sammelbildern Bewährtes (zum Teil in neuer Ausstattung, bei Hugendubel etwa war in den vergangenen Monaten das bei Goldmann erschienene Taschenbuch des Bestsellers „Fußball Unser“ das meistverkaufte Fußball-Buch).
Doch nun könnte (noch 2 Siege …) der Mut, die Kontinuität und der lange Atem derjenigen belohnt werden, die auch in diesem Jahr wieder kurz nach der WM Werke auf den Markt bringen werden, die das gerade zurückliegende Großereignis mit all seinen Emotionen, den schönsten Bildern und hoffentlich klugen Texten einfangen und zu bewahren versprechen. Man muss nicht mit allzu großen seherischen Fähigkeiten gesegnet sein, um zu prophezeien, dass in diesem Jahr zwei Titel den Markt dominieren werden: zum einen der Band von Sport Bild, „Fussball - WM 2010: Alle Spiele, alle Tore, alle Spieler, alle Fakten, alle Stadien und die schönsten Fotos der WM“, herausgegeben von Alexander Steudel, für nur 9,95 Euro und zum anderen der höherpreisige (19,90 Euro) Band des Fachmagazins kicker, der mit Photos von Sven Simon bei Copress am 16. Juli erscheinen soll.
Auf andere liebgewonnene und beim letzten Mal noch schneller erschienene Alternativen müssen der Fußballfan und die Buchkäuferin in diesem Jahr leider verzichten. Dazu noch eine kleine Geschichte aus dem Nähkästchen: Im Frühjahr 2004 fuhr ich mit dem Chef des Sportressorts der Süddeutschen Zeitung, Ludger Schulze, zu einem Termin, bei dem es um Vermarktungschancen rund um die Fußball-Weltmeisterschaft zwei Jahre später in Deutschland gehen sollte. Wir hatten uns schon vorher darüber verständigt, von 2005 an eine WM-Bibliothek mit Bänden zu allen bisherigen Fußball-WMs auf den Markt zu bringen – und natürlich dann auch kurz nach der in Deutschland einen aktuellen WM-Band. Als wir nun gemeinsam im Auto saßen, fragte ich Ludger Schulze, ob wir nicht vielleicht, sozusagen als Training, auch einen Band zur EM 2004 machen sollten, die in ein paar Monaten stattfinden würde. Er sagte spontan: „Nein, die Deutschen scheiden in der Vorrunde aus, und dann verkaufen wir 3000 Exemplare“. Wir haben den Band dann (zum Glück) nicht gemacht. Was sein Tipp war, als ich ihn vor ein paar Monaten fragte, wie er denn die Chancen der deutschen Mannschaft in Südafrika einschätze, bleibt natürlich unser Geheimnis. Aber alle, die sich jemals ernsthaft mit dem Thema „Bücher zu aktuellen (Sport)Großereignissen“ beschäftigt haben, kennen die Lehre:„No risk – no book“.
Einen Band zur Handball WM 2008 zu machen, waren übrigens damals im Vorfeld weder Ludger Schulze, noch der SZ-Handballexperte Christian Zasche oder ich mutig genug. In einer kleinen Telephonkonferenz vor dem Finale in Köln haben wir es dann doch beschlossen – und den vier Wochen später erschienenen Band (viel Konkurrenz gab es allerdings nicht) sehr schön fünfstellig verkauft.

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