Im üblichen Getöse, die die Ankündigung eines neuen Apple-Gerätes begleitet und der ebenso üblichen Begeisterung bei den einen und Enttäuschung bei den andern über das iPhone 4 ist eine für die Buchbranche interessante Nachricht jedenfalls hierzulande nahezu untergegangen: mehr als fünf Millionen eBooks sind nach Apple Angeben im iBookstore heruntergeladen worden, seit das iPad in Amerika vor rund neun Wochen auf den Markt kam. Durchschnittlich sind das 2,5 Bücher pro iPad.
Apple Chef Steve Jobs erklärte bei der Vorstellung der nächsten Generation des iPhone, der iBookstore habe inzwischen schon einen Marktanteil von 22 Prozent bei den beteiligten fünf großen US-Verlagen erreicht. Außerdem soll der iBookstore auch aufs iPhone (und den iTouch)kommen. Dank neuem Display mit extremer Pixeldichte ("Retina Display") und den ersten Aussagen von Testern, macht Lesen darauf unterwegs angeblich durchaus Freude. iBooks können künftig – ohne Mehrkosten - sowohl auf den Pad als auch aufs Phone geladen werden. Damit erhöht sich der weltweite Devices-Markt für den iBookstore diesen Monat auf rund 100 Millionen (!) Geräte weltweit.
Zwar war auch spannend, was Jobs nicht sagte: Keine Aussage über die Anzahl verfügbarer Verlage oder Titel (macht Apple sonst immer, war bei iTunes-Kennzahlen Standard); keine Aussage über internationalen Rollout (machen sie sonst ebenfalls standardmäßig). Und auch die Kommentare in den USA fielen gemischt aus. So bezeichnete die New York Times die von Jobs genannten Zahlen als „bedeutungslos. Die Zahl von 22 Prozent besage nur wenig, da sie nicht für den gesamten US-Buchmarkt stehe. Sowohl die meisten kleinen und mittleren Verlage, als auch einer der größten der Welt, Random House, sind mit ihren Titeln bislang im iBookstore nicht vertreten. Sie alle sind mit Apples „Agency-Modell“ nicht zufrieden. Amazon hat traditionell insbesondere auch im „long-tail“ gut verkauft, den Apple derzeit (noch) nicht anbieten kann – sieht man von den rechtefreien Titeln des „Projekt Gutenberg“ ab.
Dennoch: 22 Prozent Marktanteil bei den beteiligten Verlagen in nur 65 Tagen: das sind Traumzahlen für den der sie hat, es zeigt die Affinität der Apple-Fans und es sollte auch bei den deutschen Marktteilnehmern noch einmal Anlass zum Nachdenken in zwei Richtungen sein. Zum einen, möglichst dort auch vorzukommen, allerdings ohne erpressbar zu sein. Und zum andern zu erwägen, ob es nicht vielleicht doch ein gemeinsames Format (und evtl. sogar eine gemeinsame Plattform gibt, auf die man sich verständigen kann. – Beides muss ja nicht exklusiv sein bzw. kann und sollte es nicht sein – beides würde jedoch das Agieren auch gegenüber offensichtlichen Giganten, die gerade ihre Marktmacht zeigen ein klein wenig souveräner, flexibler und unabhängiger machen.