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Rumbergs Randnotiz

27.04.2010 10:36 Nachbetrachtung zum „Welttag des geistigen Eigentums“

Gestern etwas vom „Welttag des geistigen Eigentums“ mitbekommen? Irgendein Welttag ist ja eigentlich immer. Heute zum Beispiel der Welt-Grafiker-Tag, morgen der Welttag für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz und übermorgen der Welttag des Tanzes. Wenn international mal nichts geht, dann bleiben immer noch deutsche Aktionstage – etwa der Tag des deutschen Bieres. Was diese Tage sollen? Klar: Aufmerksamkeit aufs Thema lenken – man kennt das ja vom „Welttag des Buches“. Also noch mal die Eingangsfrage: Gestern etwas vom „Welttag des geistigen Eigentums“ mitbekommen?

Falls nicht, hier kurz drei Anmerkungen zu Texten, die aus diesem Anlass veröffentlicht wurden. Zunächst war da eine Studie des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM) zur Frage der Einstellung gegenüber Raubkopien. Aus ihr geht hervor, dass 25 Prozent der Deutschen Raubkopien von Musik, Filmen oder Software akzeptabel finden. 66 Prozent dagegen meinen, illegale Kopien seien kein Kavaliersdelikt. 63 Prozent finden, dass Raubkopierer strafrechtlich verfolgt werden sollten. Neben der Strafverfolgung seien preislich attraktive und sichere Bezahl-Angebote ein wichtiger Beitrag gegen Piraterie ergänzte BITKOM. „Der Boom des Download-Markts zeigt, dass es Potenzial für die legale Nutzung von Kulturangeboten und Software gibt.“ Für Downloads auf ihre PCs gaben die Deutschen 2009 rund 250 Millionen Euro aus – ein neuer Rekord. Die Anzahl bezahlter Downloads stieg nach einer BITKOM-Berechnung auf etwa 60 Millionen, eine Steigerung um 24 Prozent gegenüber 2008. – Wachstum also, auch mit hohen Prozentzahlen – aber absolut gesehen noch immer auf einem verschwindend geringen Niveau.

Auch die zweite Anmerkung basiert auf einer Studie des Branchenverbandes der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche. Die BITKOM hatte repräsentativ Internetnutzer gefragt, ob – und für welche – Inhalte sie bereit seien, im Internet Geld auszugeben. Ergebnis: Für Qualitäts-Journalismus würden inzwischen 39 Prozent der Internet-Nutzer bezahlen – falls gute journalistische Berichte nicht mehr gratis verfügbar wären. Für digitale Fachliteratur zur Nutzung auf dem PC oder Handy würden 22 Prozent der Internet-Nutzer grundsätzlich Geld ausgeben, bei Filmen sind es 19 Prozent. 18 Prozent sind auch bereit, Musik zum Hören auf dem PC oder Handy zu kaufen. Die Zahlungsbereitschaft für Unterhaltungsliteratur liegt bei 9 Prozent. BITKOM sieht darin eine „wachsende Zahlungsbereitschaft für Qualitätsjournalismus im Web“.

Doch es besteht wohl für Verlage kein Anlass zum Jubeln. Weder für solche, die journalistische Angebote bieten, noch gar für Buchverlage. Erstere sehen sich mit dem Problem konfrontiert, dass es journalistische Qualitätsinhalte eben in Hülle und Fülle kostenlos im Netz gibt. Letztere stehen vor dem Problem, dass lediglich zwischen 22 (Fachliteratur) und 9 Prozent (Unterhaltungsliteratur) bereit wären, für digitale Inhalte zu bezahlen. Wer will kann hierin natürlich auch eine Bestandsgarantie für Papierindustrie und gedruckte Inhalte aller Art ableiten – wären da nicht die Zahlen für Filme und Musik.

Und schließlich veröffentlichten dann gestern BDI, DIHK, Markenverband und APM eine gemeinsame Presseerklärung, in der sie ein "Aktionsbündnis Wirtschaft und Politik" zum Schutz geistigen Eigentums fordern. Die darin genannten Zahlen rücken – selbst wenn man ihnen mit einer gehörigen Portion Skepsis begegnet – alles, was über geistiges Eigentum an Texten, Musik oder Filmen gesagt wird, volkswirtschaftlich in einen interessanten Zusammenhang – und machen deutlich, dass gesamtwirtschaftlich betrachtet der Schwerpunkt der Debatte über geistiges Eigentum auf einem ganz anderen Feld – nämlich dem der Verletzung von Patenten und Markenrechten – liegt. Den volkswirtschaftlichen Schaden durch die Verletzung geistiger Eigentumsrechte im Bereich der Produkt- und Markenpiraterie schätzen die beteiligten Verbände allein für die deutsche Wirtschaft auf jährlich bis zu 50 Milliarden Euro.

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