Doch, es ist cool, sehr cool sogar, wenn auch etwas schwer. Aber man fällt durchaus auf in einem Münchner Cafe im In-Viertel damit. Die meisten schauen nur neidisch, andere bleiben unauffällig hinter den Rücken stehen, bei ganz mutigen ist man versucht, Simone Thomalla zu zitieren: “nur gucken, nicht anfassen“. Das iPad erregt noch Aufmerksamkeit in unseren Breiten. Ein paar Tage habe ich es jetzt getestet. Keine Sorge dies wird nun nicht der Tausendste Testbericht. Aber ein paar Gedanken zur Frage, wie das neue Gerät Medienmärkte und Medienverhalten verändern wird bin ich noch schuldig, seit meinen letzten Anmerkungen [mehr...] zu dem damals nur angekündigten neuen Wundergerät aus der Apfelfamilie.
Noch nie war surfen angenehmer. Der Prozessor ist schnell, die Bedienung intuitiv, der Bildschirm großartig, selbst der Akku hält für ein apple-Gerät erstaunlich lange. Einzige Voraussetzung: man braucht einen WLAN-Zugang – und darf nicht in der Sonne sitzen. Auch emails lassen sich gut schreiben. Längere Texte sind Gewöhnungssache. Ebooks lassen sich komfortabel lesen (solange man das Gerät nicht mit einer Hand halten will) und auch Tageszeitungsapplikationen sind ansehnlich. Ob allerdings die traditionellen Printmedien hier wirklich eine perfekte neue Plattform zur Präsentation – und vor allem zum Verkauf - ihrer Inhalte gefunden haben, das darf massiv bezweifelt werden. Denn: seine wahre Stärke zeigt the iPad immer dort, wo es (auch) um Bewegtbild geht. Applikationen der BBC oder auch der NBA sind da zur Zeit beispielgebend. In Deutschland könnten solche der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten oder auch des Spiegel (eben wegen dessen umfangreichen Bewegtbildangebotes) reüssieren.
In rund einem Monat soll das Gerät auch hierzulande auf den Markt kommen – und es wird wohl, wie heute schon in den USA zum Verkaufsschlager werden. Zunächst als modisches Accessoire der Yuppies und Dinks aus den Werbeagenturen, dann aber auch schnell als Drittfernseher im Zimmer wohlstandsverwahrloster Facebook-Kids. Wirklich durchsetzen wird es sich vermutlich als Coffee-Table-Device. Wo früher der Brockhaus in der Regalwand stand, die Tages- und Wochenzeitung ebenso auf dem Couch-Tisch lag, wie ein paar Magazine, da wird sich künftig eben (auch) das iPad finden. – „Allways on“ in seiner schicksten Form. Darauf kann man dann, wenn man will auch Buch- oder Zeitungsinhalte lesen. Vor allem aber wird man surfen, spielen, seinen status updaten und mit „Freunden“ chatten – oder, um aus einer mail zu zitieren, die mich ein paar Tage nach dem US-Verkaufsstart des IPad in den USA erreichte: „Ob es den Buchmarkt revolutioniert? Keine Ahnung, aber noch nie war surfen, lesen und tippen so klein so gut.“