Mehr als 500.000 Exemplare wurden von Steve Jobs neuem Wundergerät bereits in der ersten Woche verkauft – und die ersten Reaktionen fallen gemischt aus. Während Springer-Chef Matthias Döpfner in einer US-Talkshow sagte: „Jeder Verleger sollte sich einmal am Tag hinsetzen, beten und Steve Jobs dafür danken, dass er mit diesem Gerät die Verlagsindustrie rettet", spotten andere Nutzer der ersten Stunden, das Gerät schalte in der Sonne wegen Überhitzung ab. Eine spannende erste Analyse der Auswirkungen des iPad auf den (US)-Buchmarkt findet sich auf der Seite TorrentFreak.com, die sich auf die Analyse von Entwicklungen zum Thema „filesharing“ spezialisiert hat.
Eine Woche nach dem Verkaufsstart des neuesten Kindes der Apfel-Familie gibt es ein paar interessante Zahlen und Fakten. Torrentfreak-Gründer Ernesto berichtet hier, wie er stichprobenartig die Entwicklung illegaler Downloads von Bestsellern auf filesharing-Portalen verfolgt habe. Während die zehn bei Amazon meistverkauften e-books auf der beliebtesten Filesharing-Plattform gar nicht zu erhalten waren, konnte er bei sechs der zehn meistverkauften Wirtschafts-Taschenbücher einen sehr signifikanten Anstieg der illegalen Downloads beobachten: Im Schnitt stiegen sie in der Woche nach iPad-Start um 78 Prozent. Schaut man nur auf die Prozentzahlen, so sind diese also durchaus Wasser auf die Mühlen derjenigen, die seit längerem davor warnen, dass der Buchbranche mit Blick auf illegalen Datenaustausch etwas Ähnliches bevorstehen könnte wie der Musikindustrie.
Allerdings bewegen sich die absoluten Stückzahlen jeweils im dreistelligen Bereich – sind also weit entfernt von den Zahlen der Spitzentitel der Musik- oder auch Film-Branche. Dennoch ist wohl jeder Verlag gut beraten, sich diese Entwicklung kritisch anzuschauen – und vor allem bei der Entwicklung eigener Angebote die Nutzerfreundlichkeit ganz in den Vordergrund zu stellen. Ein zentraler Streitpunkt dabei ist das Thema Kopierschutz, denn: Illegal heruntergeladene digitale Bücher lassen sich in aller Regel auf jedem Lesegerät nutzen. Legal erworbene e-books etwa für den Kindle jedoch – dank Kopierschutz – eben nicht zum Beispiel auf dem Sony-Reader. Der größte Teil der digital legal zu erwerbenden Musik hat inzwischen keinen Kopierschutz mehr.