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Rumbergs Randnotiz

25.03.2010 11:54 Der (Alb)Traum vom automatischen Autor

Fixkosten sind dazu da gesenkt zu werden. Wie das im Medienbereich geht, dazu gab es diese Woche bereits eine traditionelle Antwort, eine die aufhorchen ließ und schließlich eine dritte bei der man sich fragte, ob man richtig gehört respektive gelesen hatte. Die traditionelle hat die Münchner Abendzeitung am Montag gewählt: mehr als ein Viertel der Mitarbeiter in der Redaktion werden gekündigt. Der Geschäftsführer verweist – ja richtig: auf die zu hohen Fixkosten und der Chefredakteur versichert via Pressemitteilung tapfer, dass man auch mit der geschrumpften Mannschaft "ein Produkt in der gewohnten journalistischen Qualität herausbringen" werden.
Am Dienstag ließ dann die Meldung des Hamburger Jahreszeitenverlages aufhorchen – „Magazine schaffen mit immer weniger fixen Waffen“ könnten man in nostalgischer Erinnerung an längst vergangene Friedensbewegungszeiten das Jalag-Projekt umschreiben. Wichtigstes Ziel – man ahnt es schon ist die „nachhaltigen Senkung“ der Fixkosten. Und so solls gehen: Jeder einzelne Titel (u.a.: Der Feinschmecker, Für Sie, Merian, petra, Prinz) behält seine eigene inhaltliche Führung, ein sogenanntes Blattmacherteam, das aus Chefredakteur, Artdirektion, Textchef und einigen Ressortleitern sowie Stellvertretern bestehen soll. Redakteure allerdings sieht das Konzept nicht mehr vor. Freie Autoren sollen künftig das meiste schreiben.
Und am gestrigen Mittwoch kam dann der (vorläufige?) Höhepunkt, der endlich das böse Fixkosten-Thema ganz erledigen bzw. gar nicht erst aufkommen lassen könnte: „Journalismus“ ganz ohne Menschen. Die amerikanische Sport-Statistik Firma statsheet.com hat angekündigt, im Sommer ein Programm auf den Markt zu bringen, das aus statistischen Angaben automatisch einen „journalistischen“ Text generiert. Robbie Allen, der Gründer von statsheet schreibt in seinem blog statsheet.com/blog/automated-sports-content-the-future-of-sports-journalism, er habe 21 verschiedene Arten identifiziert, in denen solche Texte geschrieben würden. Als Ziel schon für die Version 1.0 seiner neuen software formuliert er, dass neunzig Prozent der Leser überzeugt sein würden einen von einem Menschen geschriebenen Text zu lesen. Beginnen will er mit „Berichten“ von College-Basketballspielen.
Automatisierter Inhalt wird, so schreibt Allen weiter, nicht das Ende des Sportjournalismus sein. Andererseits betont er, dass es seiner Ansicht nach nur noch relativ kurze Zeit dauern wird, bis der durchschnittliche Sportfan nicht mehr zwischen Texten wird unterscheiden können, die von Menschen oder Maschinen geschrieben worden sind. Und er fügt hinzu: „Automatisch erzeugter Inhalt wird definitiv ein großer Teil der Zukunft des Sportjournalismus sein.“ Brave new world!
Beunruhigend: die Woche ist ja noch nicht vorbei. – Was wird heute zur Erfüllung des großen Weltenplanes der endgültigen Eliminierung der bösen Fixkosten (also natürlich nur derjenigen, an denen Menschen schuld sind) geschehen oder angekündigt werden? Heute: Verlagerung aller redaktionellen Tätigkeit an freelancer in China? Morgen: Automatische Übersetzung von Nachrichten, Reportagen und Leitartikeln aus dem Chinesischen in alle Weltsprachen und Dialekte?

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