Printausgabe

Zur Webcam
News / Kolumnen / Praxis / Specials / Bestseller / Stellenmarkt / Wer gehört zu wem? / Shop / Titelschutzanzeigen / Mediadaten

Kolumnen


Suche:  ?
Home / Login / Registrierung
150

Rumbergs Randnotiz

24.03.2010 10:28 Aprilscherz oder Schildbürgerstreich

So manche Buchhändlerin und diverse Vertriebschefs sind gestern Abend ziemlich erschrocken, als sie auf buchmarkt.de [mehr...] von der Pflicht zur Kennzeichnung von Filmen mit dem neuen FSK-Kennzeichen lasen – die auch für Bücher mit DVDs gilt. Neu ist das natürlich nicht. Schon bisher mussten Bildträger eine FSK Kennzeichnung tragen – und auch die neue Regelung, dass dies auf der Frontseite des Covers in einer Mindestgröße von rund 10 Quadratzentimetern zu erfolgen hat, ist nicht erst gestern erfunden worden, sondern schon über zwei Jahre alt. Am 1. April läuft jedoch die Übergangsfrist aus.

Das Ziel der Regelung damals war den Jugendschutz zu verbessern. Wer wollte da dagegen sein? Die Frage ist jedoch: wurde das mit dieser neuen Regelung erreicht? Sie wurde als Folge einer sehr emotional geführten Diskussion über den Einfluss von Computerspielen und gewaltverherrlichenden Filmen eingeführt. Der Interessenverband der DVD-Hersteller hat die Sache damals unterschätzt oder verschlafen – und war natürlich auch argumentativ in der Defensive – wie gesagt: Wer wollte schon gegen Jugendschutz sein. – Doch zum einen ist eben gut gemeint nicht immer gut – und zum andern der Tag des Auslaufens der Übergangsfrist feinsinnig gewählt. Denn das Ganze ist sowohl ein schlechter Aprilscherz als auch ein Schildbürgerstreich.

Der einzige wirkliche und weithin sichtbare Effekt ist, dass DVD Cover seitdem verhunzt sind. – Wir (2007 und 2008 leitete ich ja noch den Bereich Neue Produkte der Süddeutschen Zeitung) haben damals in letzter Minute noch versucht, eine differenzierte Regelung zu erreichen. Eine Regelung, die zum Beispiel zwischen Spielfilmen, Kinderfilmen, Wissen vermittelnden DVDs – und Gewaltschund unterschied. Oder eine Regelung, die es ermöglicht hätte, die Kennzeichnung auf der Frontseite entweder auf der Einschweißfolie oder mit ablösbaren Aufklebern vorzunehmen. – Wir haben dafür damals sogar Dummies gebaut, etwa aus den Titeln der wohl (zumindest im Buchhandel) immer noch bestverkauften DVD-Reihe aller Zeiten, der SZ-Cinemathek. Mit den Dummies haben wir damals gezeigt, wie diese vielfach (nicht zuletzt für ihr Design, das sie dem Art-Direktor der Süddeutschen Zeitung Eberhard Wolf verdankte) ausgezeichnete Reihe mit den FSK-Kennzeichen aussah. – Obwohl sich alle einig waren: verheerend, war die Regelung nicht aufzuhalten.

Den Schaden haben nun Verlage und DVD-Labels (gerade solche mit Altbeständen, für die die Übergangslösung gedacht war) ebenso wie die Kunden, die mit hässlichen, weil durch den FSK-Zwangs-Fleck verhunzten Covern leben müssen – und das auch dann, wenn es sich um eine preisgekrönte BBC-Produktion zu den Meisterwerken der Kunstgeschichte (demnächst in der Welt-edition erhältlich) oder ein wunderbares Suhrkamp-Buch mit einem ausgezeichneten Film von Alexander Kluge, Peter Weiss oder Tankred Dorst handelt.

Weitere Kolumnen von Rumbergs Randnotiz