++ Umgeblättert ++ 09.02.2010 09:04
Bücher und Autoren heute in den Feuilletons – und Hegemanns Plagiat auf allen Seiten
Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch.
Frankfurter Rundschau
„
Martin Walser liebäugelt in seiner Novelle
Mein Jenseits mit allerlei Skurrilitäten“;
Arno Widmann rezensiert das
bup-Buch als Aufmacher in Feuilleton.
Judith von Sternburg gratuliert
J.M. Cotzee zu seinem 70. Geburtstag – in zwei Tagen erscheint sein neues Buch
Sommer des Lebens auf Deutsch bei
S. Fischer.
Peter Michalzik, der in der FR die
Hegemann gefeiert hat, findet das Buch nach wie vor gut; durch das Plagiat habe sich der Text ja nicht geändert. Das Abschreiben bezeichnet er als eine Art „Mietzins entrichten“, und der bestehe nun darin, dass sie weniger Bücher verkaufen werde. – Eigenartige Ansichten...
Eine schöne Satire: Unter „Word’s don’t come easy“ hat die FR dem Europa-Stottermeister
Günther Oettinger Antrittsreden auf Englisch aufgeschrieben. Oder das, was unser europäischer Kompetenzträger in Brüssel wahrscheinlich immer noch für Englisch hält...
Frankfurter Allgemeine Zeitung
„Das Einzige, was die kluge Dichterin Hegemann versäumt hat, ist der Nachweis der Quellen, aus denen ihre Selbsterfahrungsprosa strömt“, meint
Andreas Kilb. Und genau da liegt die Crux: Keiner wohl hätte sich um den Schmöker gekümmert, wäre der nicht als Produkt eines „Originalgenies“ gehypt worden, und damit hat es sich nun, meint Kilb. Er hat sich auch die „Vorlage“ von
Airen angesehen, eine „gleichmäßig dahinfließende Litanei“. Zitiert wird eine Stellungnahme des
SuKulTuR-Verlags: Mit fremden Federn habe sich Hegemann geschmückt, verlautet es von dort, und diese Federn gehören Airen, der allerdings für kein Interview zur Verfügung stehe. Das ist journalistisch ärgerlich, aber sehr sympathisch.
Richard Kämmerlings schreibt zum 70. von
Cotzee.
„Ein Buch feiert die Schönen der Kunst“:
Sarah Elsing über
Petra Müllers und
Rainer Wielands
Frauen schön und stark (
Knesebeck).
Annotationen
Robert Menasse Permanente Revolution der Begriffe (
Suhrkamp),
Christian Kortmann Der Läufer (
Blessing) und
Hanne Orstavik Die Pastorin (
DVA).
Michael Krüger mit einer Laudation für
Hubert Burda zu 70.: „Hubert Burda ist der einzige Abonnent ‚meiner’ Zeitschrift ‚Akzente’, der sie seit Jahrzehnten liest und kommentiert...“
Die Welt
„Ich beraube schonungslos meine Freunde und mich selbst“ – na, zu wem passt diese Überschrift? Richtig, die WELT hat Helene Hegemann interviewt. „Die Quellenangabe ist für mich ein ästhetisches Problem“, diktiert sie da der Interviewerin
Cosima Lutz in die Feder, und die hakt nicht richtig nach, sondern redet mit ihr über das Buch, als sei nix gewesen. Tja.
Der Streit um Brods Nachlass geht weiter: Nun haben 24 israelische Akademiker einen offenen Brief geschrieben und gefordert, dass der Nachlass in Israel bleibe...
Süddeutsche Zeitung
Hier knöpft sich
Willi Winkler die Hegemann vor. Er nimmt den Hype ein bisschen auseinander: Hegemann sei nun zerknirscht, aber sie wisse auch, wer Schuld an dem Dilemma sei: sie natürlich nicht, sondern die „Vorgehensweise dieses Jahrzehnts“. Also die Ablösung des Urheberrechtsexzesses durch das Recht zum Kopieren. - Da nun, so hoffen wir, seien der liebe Gott, und wenn der keine Zeit hat, Christian Sprang vor...
Winkler rät dem erziehungsberechtigtem Vater zum Schluss, er möge „seine schwurbelnde Tochter jetzt mit Brechts legendärer ‚Laxheit in Fragen geistigen Eigentums’ trösten“. Damit ist für ihn das Thema Hegemann erfreulich schnell durch.
Lothar Müller zum 70. von
Cotzee.
Manfred Geier rezensiert
Reinhard Brandts
Immanuel Kant – was bleibt? (
Felix Meiner).
Liao Yiwu hat einen Brief an
Angela Merkel geschrieben
[mehr...] – sein Ausreiseverbot zur Lit.Cologne betreffend. Ist wohl die richtige Adresse. Mal sehen, ob die Kanzlerin das hinkriegt.