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Rumbergs Randnotiz

02.02.2010 10:23 The proof of the cake is in the eating

Warum sind nur die anderen alle klüger als ich? Beschleichen Sie auch mitunter diese Selbstzweifel? Nähert sich Ihr Gemütszustand dann auch dem exakten Gegenteil des früher von alten Tanten gern zitierten Kalenderspruchs: „Mach es wie die Sonnenuhr, zähl die heitren Stunden nur?“

Die vergangene Woche war wieder so eine, die mich Demut gelehrt hat: Kaum hatte Steve Jobs in Cupertino zur mittäglichen Stunde (bei uns war‘s abends) the iPad – ja, sorry, Sie hatten gehofft, wenigstens in dieser erbaulichen Kolumne zum Wochenbeginn, deren eigentlicher Sinn und Zweck ja ist, Ihnen den Wochenanfang zu versüßen – Sie hatten also gehofft, dem buzzword der letzten Woche zu entkommen. Aber: Ganz ohne geht‘s halt doch nicht. Ich verspreche jedoch, weder ins technische Detail zu gehen, noch etwas über E-books zu sagen, sondern streng beim Thema meiner eigenen Unzulänglichkeit zu bleiben.

Kaum hatte Steve Jobs also das neue Gerät sozusagen aus dem Hut gezaubert, da begann – quasi durch „virtuelles Hand Auflegen“ das iPad-bashing. Enttäuschend war da noch einer der mildesten Ausdrücke. Woher wissen die das alle?, fragte ich mich. Und ich frage es mich, nachdem ich am Wochenende den einen oder anderen Film dazu gesehen und viele weitere Kommentare gelesen habe, immer noch. Aber das zeigt eben meine Unzulänglichkeit. Eine Beschränkung, die sich zum Beispiel auch früher schon darin äußerte, dass ich – wenn wir Ideen für Umschläge oder Marketingkonzepte diskutierten, irgendwann immer sagte: „Das muss ich sehen“. Oder jetzt, wenn es um Features bei WerWieWas.de geht, ich diesen Satz wiederhole – und mit einem „und ausprobieren“ ergänze.

Genauso geht es mir auch mit the (sorry – aber ich bleibe bei the – die Diskussion ob der, die oder das iPad finde ich lächerlich) iPad: ich muss das Gerät erstmal in der Hand haben, bevor ich mich traue, ein Urteil abzugeben. Für virtuelles Prophetentum bin ich einfach leider zu unbegabt. Hand’s on eben: „sehen und ausprobieren“. Der Wunsch, das Ding zu haben (trotz aller Kritik), ist jedenfalls geweckt.

Mit diesem Wunsch, so kann man es auf allerlei Blogs in Foren und auf Twitter nachlesen, bin ich nicht ganz allein. Und dass es Apple am Marketing fehlen lassen wird, steht ja nicht zu erwarten. (Vielleicht ist dies die einzige gesicherte Erkenntnis vom vergangenen Mittwoch: „even Apple can oversell“ – also die Erwartungen so hoch schrauben, dass sie schon einen faltbaren Touchscreen, der sprachgesteuert Filme macht, diese automatisch an alle Freunde schickt und außerdem schon antizipierend mir vorschlägt – und dabei Recht hat! – wo ich als nächstes hingehen oder welches Buch ich lesen möchte, hätten präsentieren müssen, um keine professionelle Enttäuschung hervorzurufen). Ob „Killerapplikation“ oder „Flop“ wird sich wohl erst noch herausstellen. Entscheidend ist auf dem Platz hat Sepp Herberger gesagt oder noch schöner und irgendwie allgemeingültiger: „The proof of the cake is in the eating.“

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