Die Nachricht verbreitete sich gestern in Deutschland schnell: Amazon bietet – zunächst nur für Bücher in den USA – von Mitte des Jahres den Verlagen (und über die digitale Kindle-Plattform DTP auch Autoren direkt) unter bestimmten Voraussetzungen an, 70 Prozent – statt der bisherigen 50 Prozent – der Erlöse aus E-book-Verkäufen zu erhalten. In der Pressemitteilung aus Seattle phx.corporate-ir.net/phoenix.zhtml?c=176060&p=irol-newsArticle&ID=1376977&highlight= sind die Details nachzulesen (u.a. Listenpreis zwischen 2,99 und 9,99 US $, sowie E-Book-Preis mindestens 20 Prozent unter dem Preis der billigsten physischen Ausgabe).
Was hierzulande jedoch kaum wahrgenommen wurde, ist der Bericht des – gewöhnlich extrem gut informierten – Publishers Lunch, demzufolge Apple mit den sechs größten amerikanischen Verlagsgruppen gegenwärtig im Gespräch über den E-Book-Verkauf ist und dort über ganz ähnliche Konditionen gesprochen wird. Dem Bericht von Michael Cader zufolge verhandelt der Gigant aus Cupertion derzeit parallel mit Random House, HarperCollins, Hachette Book Group, Simon & Schuster, Penguin, und Macmillan. Es soll dabei um einen ganz neuen gedanklichen Ansatz gehen. Apple wäre – ähnlich wie im Falle der erfolgreichsten – legalen – Musikdownload-Plattform, itunes, nicht als (Groß)händler, sondern als Agent bzw. Vermittler tätig. – Für Musikfiles, die auf itunes verkauft werden, bekommt Apple in der Regel eine 30prozentige „Vermittlungsprovision“. Ein in den Grundzügen ähnliches Modell scheint sich nun auch zwischen Apple und den Großverlagen abzuzeichnen.
Falls das alles so kommt, stellt sich die Frage, was dies für den Buchmarkt insgesamt, speziell aber auch den deutschen bedeutet. Zunächst sicherlich eine Stärkung der Rolle von Autoren und Verlagen, sowie eine Bedrohung – auch des größeren – (stationären) Handels. Verlage und Autoren würden einen größeren Anteil am Ertrag von E-Books bekommen als bislang und – vermutlich langsfristig (jedenfalls in Märkten ohne Preisbindung) noch weit wichtiger: Sie würden die Preise ihrer Produkte kontrollieren.
Warum es durchaus wahrscheinlich ist, dass das alles stimmt? Ganz einfach, weil es sowohl für Amazon als auch für Apple ein großartiges Geschäft wäre. Apple hat ja beim Verkauf von Musik bei itunes auch nicht viel verdient – aber ein riesiges Geschäft mit den ipods gemacht (und nebenbei den Markt für legalen Musikdownload weitgehend monopolisiert). Ganz ähnlich könnte das nun auch bei den E-Books laufen: Amazon und Apple machen mit Kindle und Tablet riesige Gewinne und teilen sich den Markt. Die Verlage und Autoren freuen sich über höhere Prozentsätze – und diejenigen Marktteilnehmer (auf Handelsseite), die über kein eigenes – oder kein starkes – Lesegerät verfügen, haben das Nachsehen.
Natürlich muss das nicht so kommen. Gerade im deutschen, preisgebundenen Markt mag da einiges anders oder später kommen als im US-Markt. Allerdings gilt – auch für den Handel – heute mehr denn je, dass sich der Blick über den Altantik lohnt, um nicht eines Tages kalt erwischt zu werden.