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Rumbergs Randnotiz

01.01.2010 00:01 Was das Jahr so bringen wird

Vom E-Book wollten sie im kommenden Jahr nichts mehr hören, so antworteten fast alle im Adventskalender-Fragebogen auf buchmarkt.de 2009. Nun, die meisten der Befragten werden geahnt haben, dass es sich mit diesem Wunsch etwa so verhalten wird wie mit den guten Vorsätzen in der Sylvesternacht: An Neujahr sind sie schon wieder überholt. Da ist zum einen diese Nachricht von amazon: erstmals hat der Internethandelsriese an einem Tag mehr e-books als gedruckte Bücher verkauft. Nun gut, es begab sich am ersten Weihnachtsfeiertag und man mag das mit Gutscheinen auf dem Gabentisch erklären – diese wären jedoch zumindest früher eben Gutscheine für ganz traditionelle Bücher gewesen. Trost mag für die Wünschenden auch darin liegen, dass das ja noch eine Nachricht des vergangenen Jahres war. Was hält das neue bereit?

2010 wird wohl nun endgültig den Tablett-PC bringen, der einerseits die Lücke zwischen Laptop und Smartphone schließen soll, zum andern jedoch das mobile Lesen unterwegs deutlich komfortabler machen wird. Führende (internationale) Zeitschriften- und Zeitungsverlage sehen darin einen zukunftsträchtigen Kanal zur Distribution ihrer Inhalte. Wer sich einmal die Demoversionen von Bonnier-Konzerns angesehen hat, die diese Ende vergangenen Jahres ins Netz gestellt haben, der hat einen Blick in die mediale Zukunft geworfen, zu der ganz selbstverständlich auch das e-book gehören wird.

Man muss kein allzu begabter Prophet sein, um vorauszusagen, dass Apple (wie schon auf dem Markt der Smartphones mit dem i-phone), auch hier Vorreiter sein wird; die technik-blogger meinen, dass am 26. Januar die Geburtsstunde des Gerätes sein könnte. Allerdings planen auch andere Marktteilnehmer solche Geräte. Auch am Buchmarkt wird diese Entwicklung im Bereich der Hardware nicht spurlos vorbeigehen, denn niemand wird künftig mit drei oder vier verschiedenen Kleingeräten unterwegs sein wollen. Also wird das E-Book auch 2010 ein großes Thema sein, denn wer einen Tablett-PC hat, der will auf ihm nicht nur die New York Times oder Sports Illustrated, sondern eben auch den neuen Grisham oder die neue Donna Leon lesen und dafür nicht extra noch einen Kindle oder Sony Reader mitschleppen.

So wird sich wohl vom kommenden Jahr an auf den neuen Geräten alles verbinden: das Echtzeit-Internet, unsere Statusmeldungen, die ortsbasierten Dienste, der stetige Strom der Nachrichten mit dem, was langlebiger ist, wie abgehangenes enzyklopädisches Wissen und dem, was mehr als nur ein paar Sekunden unserer Zeit beansprucht – dafür aber auch mehr inneren Gewinn bietet als der News-Ticker: Romane und gut erzählte Sachbücher. In dieser Hinsicht verspricht der Bücherfrühling 2010 so einiges an Lesenswertem. Die Weihnachtstage boten die Gelegenheit, eine ganze Reihe der Vorabexemplare zu lesen oder zumindest in ihnen zu blättern. Natürlich werden hier keine Sperrfristen verletzt. Aber eines sei doch verraten: Ein ganz wunderbares Buch vom Buchpreisträger des Jahres 2005, Arno Geiger ist dabei. Am 8. Februar erscheint Alles über Sally bei Hanser und jeder, der schon 2005 Es geht uns gut mochte, sollte sich schon jetzt ein paar Stunden für die Lektüre reservieren – fernab aller Tabletts, e-books und Echtzeit-Status-Meldungen. Denn eines wird sich auch 2010 nicht ändern: Lesezeit ist (anders als meistens Fernsehzeit und allzuoft Chat-Zeit) Lebenszeit.

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