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Rumbergs Randnotiz

15.12.2009 10:12 Kein Interesse an publizistischem Niveau?

Gerd Buccerius, der große alte Mann der ZEIT griff bis zu seinem Tod – nicht selten zum Schrecken der eigenen Redaktion und oft in deutlichem Gegensatz zu von dieser vertretenen Positionen – regelmäßig in aktuelle Debatten ein. „Gerd Buccerius zu Fragen der Zeit“ hieß die Rubrik, in der er seine Meinung kundtat. Dass Eigentümer in ihren eigenen Blättern schreiben, ist, seit seinem und Rudolf Augsteins Tod, eher selten geworden in Deutschland. Doch in letzter Zeit mehren sich die Beispiele, in denen (Mit-)Eigentümer in Form von Editorials das Wort ergreifen. Äußerten sich Augstein und Buccerius jedoch so gut wie nie im eigenen Blatt in eigener Sache (eine Tradition, in der sich Hubert Burda eben nicht in Focus oder Bunte, sondern im Spiegel-Interview gerade zu seiner Nachfolgeregelung und zur Zukunft des Focus erklärt), so nehmen in jüngster Zeit die Beispiele zu, in denen Eigentümer genau dies tun; erkennbar mit dem Ziel, politischen Druck zu erzeugen.

Ende Oktober, rechtzeitig vor den Münchner Medientagen war es der Vorsitzende des Verbandes bayerischer Zeitungsverleger und Eigentümer der Augsburger Allgemeinen, Andreas Scherer, der im eigenen Blatt Forderungen etwa zum Thema Leistungsschutzrechte publik machte. Vor gut einer Woche griff Konstantin Neven DuMont für die hauseigenen Blätter Berliner Zeitung und Frankfurter Rundschau in die Tasten. Wie groß Frustration – und Angst – inzwischen in der Kaste der deutschen Zeitungseigner sein müssen, das jedoch lässt sich am (vorläufigen) Höhepunkt, dieses neuen Trends ablesen: Am Wochenende griff Alt-Verleger, Alfred Neven-DuMont selbst zur Feder. Ebenfalls für FR und Berliner Zeitung beschwört er zunächst nichts weniger als den Untergang des Abendlandes, setzt dann zu einem Rundumschlag gegen Politik, Spiegel und ZEIT an und prophezeit schließlich eine „große Stille“ der politischen Debatte in Deutschland, sollte es in 15 oder 20 Jahren hierzulande keine Tageszeitungen mehr geben. – Eine Stille, die, wie er mutmaßt, der politischen Elite ganz Recht wäre.

Was man gegen diese drohenden Verluste an kritischer Öffentlichkeit tun kann? Natürlich: Subventionieren! – Massenhaft Freiabos (wie in Frankreich), keine Mehrwertsteuer auf Zeitungen (wie in England) sind da nur zwei Beispiele. Doch: Droht wirklich das große Schweigen – in einer Zeit, in der die „Produktionsmittel“ zur Meinungsbildung und Nachrichtenverbreitung zwar nicht vergesellschaftet, jedoch (nahezu) jedermann zugänglich sind? Und: Könnte es sein, dass hier mit der Keule auf die (worauf sich noch jeder Stammtisch schnell einigt) böse, untätige und insgesamt unfähige, ja im speziellen Fall vielleicht sogar böswillige Politikerkaste eingedroschen wird, um von schweren Fehlern und Versäumnissen der eigenen abzulenken? Solange Zeitungen privatwirtschaftlich geführte Unternehmungen sind, sollten sie sich da nicht am Markt – auch und gerade in einem sich rasant verändernden Markt – bewähren? Wurden die riesigen Gewinne der vergangenen Jahrzehnte auch vergesellschaftet oder sämtlich in gemeinnützige Projekte gesteckt? Oder eben leider nicht in die Zukunft der Medienmarken investiert, was einen großen Teil ihrer heutigen Probleme begründet?

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