Vor Jahren wurde das „papierlose“ Büro ausgerufen. Wenn dies Beispiel einen Hinweis darauf gibt, wohin die Gründung des ersten rein digitalen „Buch“Verlages [mehr...] führen wird, dann sollte man Aktien von Papierherstellern kaufen.
Andererseits: Dass nun ausgerechnet der weltweite Marktführer für Roman-Serien einen Verlag gründen will, der ausschließlich digitalen Inhalte publizieren soll, lässt das doch aufhorchen.
Die Verlegerin von Harlequin Enterprises, Donna Hayes, bezeichnet die Gründung als Experimentierfeld, auch für Nischenliteratur, auch zur Entdeckung neuer Autoren, vielleicht von Talenten in einer anderen Generation. Je nachdem, welchen Aufwand an Lektorat man hier hineinsteckt, könnte ein solcher Weg für manche Titel auch eine Alternative zu „Print on demand“ sein (und wer‘s auf Papier will, kann es sich ja zu Hause ausdrucken – das „papierlose Büro“ lässt grüßen).
Der berühmte long-tail könnte also damit noch länger, die Unübersichtlichkeit noch größer werden. Einerseits. Andererseits ist es vielleicht wirklich eine Chance, die Schwelle für Autoren, veröffentlicht zu werden, niedriger zu legen. Sehr gespannt darf man auf jeden Fall darauf sein, was die Ankündigung bedeutet, man werde unabhängig von „traditionellen Vertriebswegen“ der Buchbranche arbeiten. – Zielt dies Experiment von Harlequin vielleicht am Ende in erster Linie darauf: zu testen, ob sich das Geschäft nicht ganz einfach auch direkt mit dem Kunden – unter Umgehung des Handels – machen lässt? In der Musikbranche haben einzelne Label, v.a. aber auch sehr erfolgreiche Künstler damit (mit wechselndem Erfolg) experimentiert. Dieser Versuch des „papierlosen Verlages“ setzt genau am anderen Ende an.