Haben Sie heute schon gegoogelt? Egal wo und fast egal wann Sie diese Kolumne lesen, Ihre Antwort lautet mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 90 Prozent: Ja. Ob Ihr Browser dabei der neueste Internet-Explorer war, Sie eher Firefox vertrauen oder auf etwas anderer setzen ist dabei ebenso irrelevant, wie die Frage nach Ihrem Internetzugang.
Viele Menschen scheinen gar nicht zu wissen, dass es noch andere Wege gibt, zum Beispiel zu anderen Internetseiten zu wechseln. Sitenamen direkt einzugeben, Bookmarks („Lesezeichen“) zu setzen oder diese gar systematisch zu ordnen kommt vielen gar nicht (mehr) in den Sinn – egal: man kanns ja googeln. Ein wenig erinnert das an die Kommilitonen, die einen früher wenn es um Faktenwissen ging und man im Gedächtnis kramte mitleidig anschauten und erklärten: „ist doch egal, ich weiß wos steht“.
Was damals nur skurril war könnte in der Informationsgesellschaft mittelfristig zum echten Problem werden. Dafür zwei Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit: Als die ersten Navigationssysteme auf den Markt kamen, zahlte man dafür ein paar tausend Euro. Heute immerhin für manche noch ein paar hundert und zu den teuersten und am Besten verkauften Applikationen für iphones zählen solche zur Navigation. Dann kündigte vor gut einer Woche google auf seinem offiziellen blog Google Mobile an, neue Handys mit einer kostenlosen Lotsensoftware (Google Maps Navigation) auszustatten.
Die Aktien von Navigationsgeräteherstellern brachen daraufhin um zweistellige Prozentsätze ein. – Und auch Verlagen wie Merian, Travelhouse Media kann das nicht gefallen, bietet das Google-Navigationssystem doch potenziell in Verbindung mit Moogle Maps und Google Street View all das, was der Kunde sich nur wünschen kann – kostenlos.
Während das zunächst auf dem amerikanischen Markt passiert (jedoch sicherlich bald auch in Europa verfügbar sein wird) kann man seit einer Weile schon beobachten, wie google sich in einem anderen Markt der Standortbestimmung und lokalen Suche etabliert. Das geschah bislang weitgehend unbemerkt, wird jedoch mittelfristig vermutlich auch auf diesem Markt zu einer deutlichen Verschiebung der Kräfte führen.
Gehen Sie einmal auf Google Maps – zu irgendeiner beliebigen Stadt, die Sie gut kennen – und zoomen Sie zum Beispiel dort ins Zentrum, wirklich nah heran. – Plötzlich entdecken Sie, dass die Karte nicht nur die Oper oder eine Kirche zeigt, sondern auch Restaurants, Geschäfte, Hotels. Klickt man auf deren Symbole bekommt man alle Informationen, die man haben möchte. – Sie gehen nicht auf Google Maps? Dann versuchen Sie die Suche einmal anders herum. – Suchen Sie auf google so wie immer – nach irgendetwas in einer Stadt ihrer Wahl. – Der erste Treffer in der Ergebnisliste ist mit großer Wahrscheinlichkeit ein google-eigener – mit Google-Maps und roten Pins. Und schon sind Sie wieder bei Google Maps. – Selbst der zweite Treffer findet kaum noch Beachtung.