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Rumbergs Randnotiz

10.11.2009 14:06 Bücher überholen Spiele im app-store

Bücher sind inzwischen die Kategorie mit den meisten Neuveröffentlichungen im iphone app-store. Seit September gibt es mehr neue apps für Bücher als für Spiele. Eine Anfang des Monats in den USA veröffentlichte Studie (Flurry Smartphone Industry Pulse, October 2009), deren wichtigstes Ergebnis diese starke Zunahme von Buch-iphone-apps ist, hat zu intensiven Debatten in den einschlägigen Foren geführt. Etwa zwanzig Prozent aller Neuveröffentlichungen im app-Store waren im Oktober 2009 Bücher, während Spiele nur noch 13 Prozent ausmachten. Im Juli lagen Spiele noch bei 17 und Bücher bei 13 Prozent.

Natürlich beziehen sich die allermeisten dieser apps auf englische Titel und dennoch ist es ein interessanter Trend. Was er für den (deutschen) Buchmarkt bedeutet, darüber sind Beobachter und Kommentatoren uneins. Zunächst ist diese Entwicklung überraschend, waren doch Branchenkenner – darauf weist Michael Friedrichs auf lesen.net hin www.lesen.net/ebooks/mehr-ebooks-als-spiele-kleine-kulturrevolution-im-appstore-1535/ bisher davon ausgegangen, „dass mit Einführung der In-App-Verkäufe, also Einkäufe innerhalb der Applikation und nicht innerhalb des AppStores vor ein paar Wochen eher das Gegenteil bewirkt wird.“ Offensichtlich gehen also Verlage mindestens in den USA und zumindest derzeit davon aus, dass sich mit einzelnen kostenpflichtigen Applikationen besser Geld verdienen lässt als mit einer Basis-Applikation, über die sich dann immer wieder neue Titel herunterladen lassen. – Für den Nutzer ist es natürlich mehr als ärgerlich.

Der Kunde und die Frage, wie oft denn diese (inzwischen über 10.000) Buch-apps überhaupt heruntergeladen werden, sind nicht Teil der Studie. Und doch liegt hier natürlich die entscheidende Frage: wird sich so überhaupt Geld verdienen lassen? –Im redabox.blog fragt dann auch Ralf Biesemeier: „Jede 5. neue App im AppStore ist ein E-book ... aber wie profitieren Verlage davon?“ blog.readbox.net/jede-5-neue-app-im-appstore-ist-ein-e-book-aber-wie-profitieren-verlage-davon/ Und er ist skeptisch. Zum einen gibt es einfach schon jetzt so viele Titel als download, dass die meisten (ähnlich wie beim gedruckten Buch) kaum noch gefunden werden. Außerdem existiert ein schlagendes Kostenargument: Bei 2,78 US Dollar, umgerechnet also 1,88 Euro liegt zur Zeit der durchschnittliche Preis für eine app im apple-store. Etwa das ist es also auch, was ein durchschnittlicher Kunde im Schnitt bereit sein wird auszugeben. – Würde man 9,90 nehmen oder (etwa bei Neuerscheinungen) noch deutlich darüber gehen, die Download-Zahlen wären wohl in aller Regel homöopathisch und die Erträge stünden vermutlich in keinem Verhältnis zum Aufwand.

Also: der Trend ist interessant, aber so werden e-books im heutigen Format keine Kassenschlager. Betrachtet man sich, was im Musikbereich heruntergeladen wird, so dominieren da ganz eindeutig die einzelnen Songs – für 99 Cent. Doch kann man Bücher – sosehr der Vergleich mit Alben ohnehin hinkt, kapitelweise verkaufen? – Und dennoch: das die in den USA bereits bestehende Welle auch auf uns hier zurollt legen inzwischen eben nicht mehr nur die Zahl der verkauften Geräte nahe. Da wird in den nächsten Jahren viel Kreativität – von Verlagen, aber vielleicht auch von Autoren – gefragt sein.

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