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Rumbergs Randnotiz

09.11.2009 09:09 Was wir verkaufen, schreiben wir uns selbst

Schreibende Verleger hat es schon immer gegeben. Manche waren bekannte Autoren, bevor sie Verleger wurden, wie Wolf-Jobst Siedler, der nicht nur früh „Die gemordete Stadt“ schrieb und spät seine Erinnerungen vorlegte, sondern zwischendurch auch zum Beispiel einen Band in der wunderbaren, leider längst eingestellten Corso-Reihe: Wanderungen zwischen Oder und nirgendwo. Auch Michael Krüger oder Siegfried Unseld haben eigene Bücher veröffentlicht. Und auch von Pressedamen, Lektoren oder Agenten kennt man in jüngster Zeit erfolgreiche Bücher. Wenn Sie es in den eigenen Verlagen taten, so keimte immer mal wieder eine Abwandlung des abgedroschenen Journalisten-Spruchs auf „Das bisschen was ich lese, schreibe ich mir selbst.“

Doch in jüngster Zeit ist zu beobachten, dass aus den Verlagen bzw. der Branche nicht länger nur die üblichen Verdächtigen – also Verleger, Lektoren und Pressedamen zu Buchautoren werden, sondern auch Juristen und Betriebswirte Nicht-Fachbücher veröffentlichen, die Branche also sich tatsächlich in zunehmendem Umfang das selbst schreibt, was sie (gut) verkauft.

Zwei ganz ungewöhnliche Bücher sind jetzt auf dem Markt. Das eine vom Justiziar des Börsenvereins, Christian Sprang. – Ende August bei KiWi erschienen - hat inzwischen die Bestsellerlisten gestürmt. Aus die Maus ist eine Sammlung ungewöhnlicher Todesanzeigen. Sprang sammelt solche Skurrilitäten seit Jahren und hat – gemeinsam mit Matthias Nölke – ein „Best of“ jetzt als Buch vorgelegt. Im anderen Fall ist die Sammlung des Stoffes wohl eher auch berufsbedingt: Immer schön flüssig bleiben: Dr. Dähnes Finanzberater für den Hausgebrauch. Helmut Dähne, der langjährige kaufmännische Geschäftsführer von Rowohlt hat es – bei Rowohlt, gerade herausgebracht. Vermutlich wird auch dieser Band bald auf den Bestsellerlisten stehen – wirbt der Verlag doch zum Beispiel mit folgendem Zitat – eines Bestsellerautors: "Als einer seiner Autoren habe ich Helmut Dähne immer wieder um persönliche Beratung in Finanzdingen bitten dürfen; ich habe mich an seine Empfehlungen gehalten und es weiß Gott nie bereut." (Daniel Kehlmann).

Was kommt als nächstes? Gibt uns der Logistikexperete der VVA Ratschläge für den nächsten Umzug? Verrät die leidgeprüfte (hier anonym bleibende) Verlegersekretärin, wie wir Ordnung in unser heimisches Schreibtischchaos bekommen? Was ist von Controllern, Vorstandsfahrern, Verlagsbuchhaltern, aus Marketingabteilungen oder von Vertrieb mit Innen- und Außendienst zu erwarten? Hier liegt noch viel ungenutztes Autorenpotenzial, das sich in Zeiten sinkender Renditen in die Wertschöpfungskette integrieren ließe. Dähne zeigt: es müssen nicht immer Memoiren sein – und von Sprang kann man lernen: es muss nichts mit dem Beruf zu tun haben.

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