
Dirk Rumberg zur Welt
der Medien
Es begab sich vor knapp zwei Jahren auf der Buchmesse, dass ich erwachte und spürte, irgendetwas war anders. Ich konnte meinem Kopf bewegen, der Anzug hing im Zimmer und nicht auf dem Balkon, auch die restliche Kleidung war nicht reif für die chemische Sondermüll-Deponie.
Nach einer Weile angestrengten Nachdenkens, das schwer fiel, denn der Abend war so lang und die Nacht so kurz gewesen wie in den 20 Buchmessejahren davor, wurde mir klar: niemand hatte gestern Abend auf dem Empfang im Japan-Tower geraucht. Für den Gast aus Bayern, wo es damals noch keinen Nichtraucherschutz gab, war das wie eine Offenbarung.
Daran musste ich letzte Woche wieder denken, als es wieder einmal war wie früher: Der Kopfumfang gefühlte 2,30 Meter (nein: das lag ausdrücklich NICHT an übermäßigem Bierkonsum), Lederhose, Hemd und Janker auf dem Balkon, den Rauch trotz Dusche noch in den Haaren. Nachdem ich mich der „brutalst möglichen Form der Gemütlichkeit“ ausgesetzt hatte (in Bierzelten darf in Bayern inzwischen wieder geraucht werden), war ich ja selber schuld – einerseits. Andererseits erinnerte ich mich an beide Episoden auch als ich beim Blättern im neuesten
BuchMarkt-Heft auf S. 134/135 auf die Branchenblasen stieß.
Angeblich – so begründet ja die in Bayern schon seit dem vergangenen Jahr segensreich und überaus harmonisch regierende schwarz-gelbe Koalition die Aufweichung des hier einmal geltenden strikten Nichtraucherschutzes, ist das ja liberal (und angeblich – so glauben ein paar in der CSU habe man wegen des ursprünglich sehr strikten Gesetzes die Landtagswahl verloren – was sich als Kausalkette bei der Bundestagswahl gerade eindrucksvoll bestätigt hat). Aber: was genau ist eigentlich „liberal“ daran, andere Menschen zu vergiften? Ja, ich bekenne mich ganz ausdrücklich zu großer Intoleranz, wenn es um die Unbill geht, die Raucher Nichtrauchern zufügen. Da geht es gar nicht in erster Linie um die langfristigen Folgen und die Machenschaften der Tabak-Lobby, die einst im vielleicht Besten Anti-Rauch-Buch („Thank you for smoking“ – im angelsächsischen Raum ein großer Bestseller – hierzulande leider weniger, dafür dann als Film und DVD erfolgreich) beschrieben wurde, sondern es geht zunächst einmal um „the morning after“.
Deshalb: 1. Vielleicht kann ja endlich einmal jemand ein wirklich gutes Nichtraucherbuch schreiben (ich weiß:
Carrs
Endlich Nichtraucher verkauft sich schon seit vielen Jahren großartig.- Aber: haben Sie mal reingesehen? Das Werk wird an Redundanz, schlecht lektorierten Seiten und Plattheit eigentlich nur noch vom – ebenfalls Mega-Bestseller und angeblichen Beziehungsratgeber,
Warum Frauen nicht einparken und Männer nicht zuhören können übertroffen. – Beides übrigens kein Vorwurf an die deutschen Verlage. Die englischen Vorlagen sind einfach miserabel). 2. Muss die Buchmesse mit all ihren Veranstaltungen bitte rauchfrei bleiben (im Namen aller gequälten Nichtraucher daher ein Dank an
Juergen Boos für seine klare Sprechblasen-Aussage auf S. 134 des neuesten BuchMarkt). „Befreit aufrauchen“ (
Ein Paar – ein Buch, S. 94-97) sollten in der Öffentlichkeit eigentlich wirklich nur noch Helmut und Loki Schmidt dürfen, die nun tatsächlich aus einer Zeit stammen, in der das noch in Ordnung war.