
Dirk Rumberg zur Welt
der Medien
Wenn es stimmt, was seit Anfang der Woche in den einschlägigen Blogs kolportiert wird, dann steht nichts weniger als die Revolution des E-Readers bevor und Kindle, Sony-Reader etc. könnten bald die größte anzunehmende Konkurrenz bekommen.
Zwar gibt es bislang keine offizielle Bestätigung aus Cupertino, doch zwei in der Vergangenheit über technische Neuentwicklungen des großen Apfel-Konzerns gewöhnlich sehr gut informierte Tech-Blogs –
Gizmodo und
ilounge – berichten übereinstimmend, dass in der ersten Hälfte des kommenden Jahres der „Apple Tablet“ auf den Markt kommen soll.
ilounge.com, das früher schon als erster (und korrekt) Details zu Produkten wie dem iPod Nano G5 und dem iPhone 3GS verbreitet hatte, nennt eine ganze Reihe technischer Details. So soll das – hier „iPad“ genannte – Gerät über einen 10,7 Zoll Bildschirm verfügen (also etwa die 7fache Größe des jetzigen iPhone touchscreens), dem iphone ähnlich sehen (allerdings mit einem geschwungenen Rücken) und durch eine 5-6 Mal bessere Auflösung als beim iPhone das Lesen von Magazin und Buchseiten problemlos ermöglichen – sowie auch für angepasste Zeitungsseiten geeignet sein.
Für die Zeitungs- und Zeitschriftenbranche könnte hier endlich der Schlüssel zum heißersehnten Einstieg in ein substanzielles „paid-content“-Geschäft liegen, es könnte nämlich sein, dass dieses Gerät tatsächlich die Verwirklichung des seit über einem Jahrzehnt im Silicon Valley geträumten Traumes vom „electronic paper“ ist (keine gute Nachricht für Besitzer von Zeitungsdruckereien). Mit Blick auf den Buchmarkt könnte dieses Gerät das Thema e-Reader vollständig umkrempeln. Denn wenn die Informationen stimmen, dann wird es in etwa neun Monaten eine Art „iPhone im Magazin-Format“ geben, das all die Qualitäten des apple-Smartphones (intuitive Benutzerführung, mobil, Design-Status-Symbol etc.) mit einem Display kombiniert, das tatsächlich zum Lesen von Texten aller Art unterwegs geeignet ist. So könnten hier wieder (wie beim iPhone schon Telefon und mp3-player) Geräte zusammenwachsen – und es keinen Grund mehr geben, in Kindle & Co. zu investieren.
Die Kampagnen zur Einführung von iPod und iPhone haben gezeigt, dass Apple es meisterhaft versteht, Neugier und Begehrlichkeit zu wecken. Nicht auszuschließen, dass es sich bei den jetzt kursierenden Informationen auch keineswegs um ein Leck, sondern eben um gezielt – als Start der PR-Kampagne – „geleakte“ Informationen handelt. Sicher ist jedenfalls, dass man in Cupertino schon mit den Besitzern von Print-Inhalten verhandelt und zum Teil schon Vereinbarungen abgeschlossen hat. – Ähnlich wie bei iTunes Musik kann man also vielleicht bei Apple bald auch die aktuelle New York Times, Magazine und natürlich auch Bücher herunterladen. Für Apple wäre dies – nachdem man sich äußerst erfolgreich im Musik(vertriebs)geschäft etabliert hat, der gleichzeitige Einstieg ins Verlagswesen an mehreren Fronten.