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Rumbergs Randnotiz

29.09.2009 15:56 Marken(über?)Dehnung – oder: die Bücher zum Tatort

Rumbergs Randnotiz - Dirk Rumberg zur Weltder Medien
Dirk Rumberg zur Welt
der Medien
DAS Buch zum Tatort gab es bereits vor fast zehn Jahren. 2000 erschien im Henschel Verlag „Das große Tatort- Buch. Filme, Fakten und Figuren von Holger Wacker (Autor) - und zwei Jahre später folgte bei Schwarzkopf und Schwarzkopf als Taschenbuch „Tatort, Das große Buch für Fans von Holger Wacker und Almut Oetjen. Beide sind nicht mehr lieferbar.

DIE Bücher zum tatort bringt nun von Ende dieser Woche an der Kölner Emons-Verlag auf den Markt, der auf Regional-.Krimis spezialisiert ist. Damit beginnt ein spannendes Experiment: Funktioniert die Dehnung der bekanntesten und populärsten deutschen Fernsehmarke vom Bewegtbild zwischen zwei Buchdeckel? Ein Stück Skepsis ist wohl angebracht, betrachtet man sich die Erfahrungen mit dem ersten Teil der Verlängerung der Marke tatort: Seit ein paar Jahren läuft im Rundfunk der Radio-Tatort und parallel dazu erscheinen die Radio-Tatorte als Hörbuch – zunächst im DAV, inzwischen im Hörverlag. Nach anfänglicher medialer Aufmerksamkeit und ganz guten Verkaufszahlen geschieht das inzwischen mit eher bescheidenem Erfolg, sowohl was Einschaltquoten als auch was den CD-Absatz betrifft.

Dennoch könnte es mit den „Büchern zum Film“ klappen. Denn während beim Radio-Tatort eigene (eben nicht aus dem Fernsehen bekannte) Ermittler ans Werk gehen, setzt emons in Kooperation mit der ARD bei den Büchern auf Bewährtes. Es sind bekannte Tatort-Teams, die hier in Buchform auf Verbrecherjagd gehen: Franz Leitmayr und Ivo Batic ermitteln in „A gmahde Wiesn“ (erst kürzlich im Fernsehen wiederholt) in München, Freddy Schenk und Max Ballauf in Köln, Inga Lürsen und Stedefreund in Bremen, Till Ritter und Felix Stark in Berlin; Krimis aus Leipzig und Saarbrücken komplettieren die erste 6er-Staffel, der im Frühjahr 2010 sechs weitere Bände folgen sollen.

Die Covergestaltung ist eng an das Fernsehformat angelehnt und zeigt jeweils das Ermittlerduo samt dem Zielscheiben-Logo. Laut Verlags-Eigenwerbung sind die Bücher jedoch mehr als einfach nur das Werk zum Film, sondern tatsächlich eigenständige Romane.
Die Krimis, so der Verlag, seien zwar auf Grundlage der TV-Drehbücher geschrieben, hätten aber viel Neues im Vergleich zur Filmversion zu bieten. «Um die bewährte Spannung der Serie in einem anderen Medium wiederzugeben, ist es keinesfalls ausreichend, die Dialoge der TV-Vorlage einfach niederzuschreiben, sondern die Handlung des Drehbuchs muss in einen qualitativ hochwertigen Roman eingebettet werden, der den Regeln des Genres genügt», sagte Verleger Hermann-Josef Emons laut dpa.

Man darf gespannt sein, wie das gelungen ist und ob die Kunden und Leser dies Urteil teilen – und wenn schon nicht wie Sonntags-Abends zu Millionen, jedoch immerhin zu zehn- bzw. hunderttausenden den „tatort“ nicht nur sehen, sondern auch lesen wollen, und bereit sind, dafür pro 160 bzw. 176 Seiten starkem broschierten Band jeweils 8,95 Euro auszugeben. Um eine Prognose zu wagen: der eigentliche Umsatzschub unter der Marke tatort steht in diesem Jahr erst noch bevor: für November/Dezember hat Disney angekündigt, eine erste Welle von 150 DVDs mit tatort-Folgen erscheinen zu lassen. Es bleibt zu hoffen, dass nicht nur Saturn und Mediamarkt, sowie amazon und einige große Filialisten, sondern auch der kleine und mittlere Buchhandel in seiner ganzen Breite von diesem Coup profitieren werden, auf den Tatort-Fans lange warten mussten. Denn: betrachtet man die Einschaltquoten nicht nur jeden Sonntagabend auf der ARD um 20.15 Uhr, sondern auch die der Wiederholungen, so müsste das um im Bild zu bleiben: „A gmahde Wiesn“ sein.

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