In der achten Folge seiner Serie STERNstunden, Heft 10, berichtet unser Autor Helmut Benze über eine Buchhändlerin, die Ihrem Chef so geschickt widerspricht, dass er seine Kurreise antritt, die er wegen „Unabkömmlichkeit“ hatte stornieren wollen.
Die erste Sortimenterin hatte sich auf die Herausforderung nicht lange vorbereiten können, da der Unfall des Juniorchefs unversehens eine Lage herbeigeführt hatte, in der es schnell zu entscheiden galt. Das Verdienst der Buchhändlerin, bestand darin, sich langfristig auf Führungsaufgaben (wenn auch „nur“ in der zweiten Reihe) vorbereitet zu haben. Sehr selbstkritischer Umgang mit eigenen Schwächen,
mit Rollenklischees, Besuch von Seminaren in Seckback und intensive Nacharbeit – vornehmlich durch Lektüre und dosierte Erprobung des Gelernten - hatten sie fit gemacht.
Als sie bei einem Coaching die Aufgabe bekam, einen ihrer Erfolge zu schildern und die Gründe für den Erfolg zu analysieren, wurde ihr erst die lückelose Folge richtiger Schritte bewusst. Ein gutes Zeichen dafür, wie souverän sie sich optimierte Verhaltensweisen zu eigen gemacht hatte.
> Als junger Buchhändlerin waren ihr viele Verhandlungen und Präsentationen nicht gelungen, weil ihre unzulänglich entfaltete Köpersprache beträchtlich abschwächte, was sie inhaltlich richtig und dem Wortlaut nach überzeugend vorgetragen hatte.
Eine Konsequenz dieser Wahrnehmung war es, sich die typisch weibliche Demutshaltung abzugewöhnen, die sie oft einnahm, wenn sie mit Männern verhandelte.
> In Rollenspielen hatte sie überdies erkannt, wie wichtig es ist, generellen Aburteilungen („Nehmen Sie doch Entscheidungen nicht immer gleich so persönlich...“) unverzüglich die Spitze zu nehmen, indem sie den Vorgesetzten
aufforderte, seine pauschale Beurteilung zu begründen oder zur Kenntnis zu nehmen, wie wenig sie generell zutrifft.
> In Verkaufsschulungen und vor allem in einem Workshop „Erfolgsfaktor Kreativität für wirkungsvolle Kommunikation“ hatte sie gelernt und durch Übungen vertieft, sich in das Gegenüber hineinzuversetzen und von bekannten oder geahnten Erwartungen des Partners her zu argumentieren. („Ich werde die Veranstaltung in Ihrem Sinne durchführen... wir werden den Gästen erklären, warum Sie und Ihre Frau nicht anwesend sein können... wir werden es nicht genau so, wie Sie und Ihr Sohn, gleichwohl jedoch professionell über die Bühne bringen... man wird anerkennen, welch gutes Händchen Sie bei der Auswahl und Förderung Ihrer Frauen bewiesen haben...“)
> Auch die Idee, Chefs beim Wort zu nehmen, war ihr in Workshops sowie durch Lektüre als effektives Überzeugungsinstrument bewusst geworden (Verweis auf die Anzeige und die dort geforderte Fähigkeit der gesuchten ersten Sortimenterin „die Eigentümer zu entlasten und die Übergabe der Verantwortung an den Sohn zu begleiten...“).
> Im Austausch mit Dozenten und Workshopteilnehmern war ihr – die sie eher Einzelgängerin war – bewusst geworden, wie wichtig es sein kann, sich vor einer Verhandlung Verbündeter zu vergewissern. Ohne den Gedanken einer „Verschwörung“ aufkommen zu lassen („Ihre Frau wird sich unserem Vorschlag anschließen... Ihr Sohn wird sich noch besser von seinem Unfall erholen...“).
„Von den vielen Büchern, die mich begleitet haben und zu denen ich immer mal wieder greife, nenne ich die „Drei Augenöffner“:
> Peter R. Wellhöfer: Schlüsselqualifikation Sozialkompetenz, Verlag Lucius & Lucius, UTB, ISBN 3-8252-2516-X
„Bevor mir dieses Buch in die Hände fiel, hatte ich geglaubt, Sozialkompetenz sei uns Frauen in die Wiege gelegt worden. Der sehr klar und anregend schreibende Autor, in dessen Darstellung sich die praktische Erfahrung im Umgang mit Lehrenden und Lernenden erweist, hat mir die Augen geöffnet. Wellhöfer hat mir gezeigt, wie unzertrennlich Menschenbild, Selbstbild, Selbstgewissheit sowie sozial kompetentes Verhalten in Alltag und Beruf miteinander verknüpft sind. Vor allem Wellhöfers Trainingsangebote haben mir sehr geholfen, haben mich regelrecht aufgebaut.
Ich habe sehr gute Fortschritte gemacht, mit Stress und Konflikten besser umzugehen. Meine Intuition habe ich ausbauen können, um die (in der Tat erlernbare Fähigkeit), Kollegen, Kunden und Chefs sowie Situationen in privatem Alltag und Beruf realitätsgerechter wahrzunehmen. Und zu bewältigen.“
> Claudia Hovermann: Erfolgsrhetorik für Frauen, Gabal Verlag, Reihe book@web,
ISBN 3-89749-364-0
„Dieses Buch hat meine rhetorische Überzeugsfähigkeit erheblich gesteigert, ja, es hat ihr eigentlich erst zum Durchbruch verholfen. Hatte ich während meiner Ausbildungszeit gemeint, fleißiges und gründliches Lernen sowie meine weit überdurchschnittliche Eloquenz wären die Erfolgsschlüssel, hat mich die Autorin dafür gewonnen, systematisch an meinen (typisch weiblichen) Schwächen zu arbeiten. Ich habe es geschafft, deutlich besser zu überzeugen und mich durchzusetzen (auch und gerade gegenüber Männern). U. a. hat mich das Buch
befähigt, meine verbalen und nonverbalen „Weichspüler“ abzulegen. Ohne Zugeständnisse an meine Selbstgewissheit als Frau und ohne Anleihen bei den Erfolgsriten der Männer. Ich hätte nie gedacht, wie wichtig es (gerade für Frauen) sein kann, sich in Blickkontakt und „Augentechnik“ zu üben. Die aufrechte Körperhaltung in jenem Gespräch mit dem Chef, habe ich seit Lektüre dieses Buches „drauf.“
> Mario Pricken: Kribbeln im Kopf Kreativitätstechniken & Brain-Tools für Werbung und Design, Verlag Hermann Schmidt Mainz, ISBN 3-87439-647-9
„ Dieses Buch ist für mich ein mehrfaches Schlüsselerlebnis und ein Augenöffner ersten Ranges. Ich habe es nicht gesucht. Sondern bei einem Workshop in die Hand bekommen. Mit spitzen Fingern angefasst und dem Referenten zuliebe eine Annährung versucht. In vier Schritten: Was soll die glatzköpfige Machoshow auf dem Cover? Hinterkopf-Abwendung! Auf der Rückseite des Umschlags: Unverfrorene Macholache. Erledigt! Kein Buch für mich. U 3: Eingrenzung des Themas auf die Halbgötter in den Kreativstudios. Letzter Versuch einer Annährung: Seite 230/31: Sehr sympathische, ja, mitreißende Menschen. Ein Team, mit dem ich sehr gern zu tun hätte. Nun erst neugierig geblättert. Gelesen. Seite 34 bis 40: Der Clicking-Fragenkatalog. Und: Ja. Kribbeln im Kopf. Kribbel-Pricken hat mich überzeugt. Vielleicht ganz anders, als es das Buch intendiert. Auch das ist kreativ. Ich habe gelernt und verinnerlicht, wie entscheidend (und kurzweilig) es sein kann, allen Situationen von Belang mit einer Auswahl der Fragen des Clicking-Katalogs zu begegnen.
Z. B.: Keine Arbeit, keine Verhandlung ohne klare Zielsetzung. Gedankliche Darstellung einer Aufgabe oder Herausforderung ohne Worte. Kombination der Aufgabe mit ungewöhnlichen Blickwinkeln (z. B. „Was würden aufgeweckte Kinder zu diesem Problem sagen?“). Maßloses Übertreiben bei den Lösungsansätzen, um sich dadurch in galaktischen Abstand zu Aufgaben (und Menschen) zu katapultieren
(Z. B. : „Wie kann ich einen Menschen, der mich ablehnt oder sogar hasst, dazu bringen, mich entweder zu erdolchen? Oder mit mir in Urlaub zu fahren?“).
Welche Parodie könnte man rund um das Problem oder Produkt erfinden? Welche Geschichten könnte man erzählen, statt akademische Definitionen zu versuchen?
Welche Spiele mit Worten und Redewendungen bringen mich auf Ideen? Und immer wieder: Wie kann ich die anstehende Sache, das Problem, mein Gegenüber in einen anderen, ungewöhnlichen Rahmen stellen, um durch diese im Wortsinne ver-rückte Perspektive neue Zugänge zu entdecken? (Z.B.: Meinen Gegner mache ich klammheimlich zu meinem Berater und frage mich vor wichtigen Entscheidungen, was würde er dazu sagen?)
Kurz, dieses Buch bringt mich immer wieder auf Ideen und Lösungsansätze für Aufgaben oder Probleme, die nichts mit dem Hauptgegenstand diese Werkes (Werbung & Design) zu tun haben. Ich benutze es als das Ideen-Zapping-Bilderbuch und als den prickelnden Kreativ-Wegweiser für meine private und berufliche Agenda.“