Buchmesse 10.09.2009 15:27
Vorschau Buchmesse: Viel Neues und die Sache mit der Souveränität / Boos: China hat keine Möglichkeit, die Medien zu manipulieren

Juergen Boos
In einer Pressekonferenz informierte Buchmesse-Direktor
Juergen Boos am heutigen Vormittag im
Literaturhaus Frankfurt über Neues auf der 61. Frankfurter Buchmesse, die in fünf Wochen ihre Tore öffnen wird.
Unter der Headline „Nichts bleibt, wie es ist. Alles wird anders“ sieht Juergen Boos die Messe als Marktplatz der Möglichkeiten und Chance, als das Netzwerk der Branche. Die 61. Messe werde die experimentierfreudigste sein, die man sich vorstellen könne, so der AuM-Chef.
„Keiner weiß, was kommt. Aber: Alle können und dürfen alles ausprobieren“ lautet die zweite Headline. Die Messe ist ein Forum für neue Geschäftsmodelle der „Creative Industries“.
„Nur wer sich verändert, bleibt lebendig“ – so wird aus dem bisherigen „Forum Film & TV“ das „Film & Media Forum“, damit wird die Spiele-Industrie einbezogen. In Halle 4.1 steht erstmals ein Gemeinschaftsareal für Bildagenturen und -einkäufer zur Verfügung. Höhepunkt ist die Konferenz
TOC – Tools of Change for Publishing am 13. Oktober, an der u.a. Verleger
Tim O’Reilly und
Neelan Choski, COO Lexcycle, ihre Sicht auf die neue Medienlandschaft darlegen werden.
Die Angebote zum Schwerpunkt „Zukunft Bildung“ sind erstmals in Halle 4.2 gebündelt.
Über Zahlen und Fakten informierte anschließend Pressesprecher
Thomas Minkus. Die 61. Buchmesse werde etwa die Vorjahreszahlen erreichen, die Ausstellungsfläche sei gleich geblieben. So werden ca. 7000 Aussteller aus 100 Ländern nach Frankfurt kommen, Rückgänge sind bei osteuropäischen Ländern spürbar, dagegen sind südamerikanische Aussteller stärker vertreten. Amerikanische Aussteller haben ihre Präsenz zwar verkleinert, aber nicht abgesagt.
Das Interesse an Fachveranstaltungen ist groß, entsprechend wurden in den Hallen Möglichkeiten dafür geschaffen. Das Agentenzentrum wurde zu Lasten des Pressezentrums in diesem Jahr noch einmal vergrößert.
Selbstverständlich drehte sich die Pressekonferenz um den Ehrengast China. Die chinesischen Autoren
Dai Qing und
Bei Ling waren von
Peter Ripken, Organisator des am 12. und 13. September stattfindenden Symposiums, gebeten worden, nicht daran teilzunehmen. Muss die Buchmesse weitere Kompromisse akzeptieren, Deals eingehen, Angst vor einem Pekinger Boykott haben? „Wir drängen niemanden und machen keine Deals“, sagte Juergen Boos und verdeutlichte ebenso: Das freie Wort sei höchstes Gut. Die Gefahr, dass China die Messe absage, sieht Juergen Boos nicht: „Wir haben vor zwei Jahren mit China einen Vertrag geschlossen. Eine Absage der Messe wäre nicht im Interesse Chinas. Wir werden den Weg Chinas, sich zu öffnen, fördern.“
Im übrigen gibt es nur zwei gemeinsame Veranstaltungen mit dem Ehrengast; das Symposium und die Übergabe der Messestafette an das Gastland 2010, Argentinien, zum Abschluss der Messe.
Peter Ripken unterstrich, dass die Diskussionen, die von der Buchmesse selbst veranstaltet werden, auch von ihr inhaltlich bestimmt werden. Dem Ehrengast stehe dieses Recht ebenfalls zu.
„China hat auf der Buchmesse keine Möglichkeiten, die Medien zu manipulieren. Das ist ein neuer Zustand, den es so in China nicht gibt. Hier wird keine Zensur stattfinden“, versicherte der Messedirektor und setzte hinzu: „Jemand wie der bekannte chinesische Schriftsteller Mo Yan wird sich den Mund nicht verbieten lassen.“
JF