In der siebten Folge seiner Serie STERNstunden, Heft 9, Seite 58 berichtet unser Autor Helmut Benze über die richtige und schlagfertige Reaktion eines neuen Geschäftsführers, der sich in einem verschworenen Frauenteam zu behaupten hat und mit einem Problem konfrontiert wird, dessen Wurzel im Persönlichen, Privaten einer neuen Mitarbeiterin liegt.
Die Konstellation, die er in der Buchhandlung vorfand, war für ihn nicht etwa deswegen eine besondere Herausforderung, weil er als Mann ein siebenköpfiges Frauenteam zu führen hatte. Die Herausforderung bestand vielmehr darin, die erste Sortimenterin in die Führungspflicht zu nehmen. Die erste Sortimenterin hatte selbst Geschäftsführerin werden wollen. Die Eigentümer hielten die fachlich brillante Frau jedoch für nicht führungsstark genug. Was ihr fehlt ist die Balance zwischen kollegialer Nähe und professioneller Distanz zu den Kolleginnen. Das sehr gut eingespielte Team vermeidet geradezu krampfhaft Konflikte und hält Dauerharmonie für die beste Grundlage erfolgreicher Zusammenarbeit. In dieser Gestimmtheit waren die Damen dem Problem nicht gewachsen, das durch sicht- und riechbare Stressreaktionen einer neuen Mitarbeiterin ausgelöst worden war. Statt der Neuen unter Frauen durch einen fürsorglichen Hinweis zu helfen, bat die erste Sortimenterin den Geschäftsführer einzugreifen.
Der hatte die Verantwortungsflucht seiner Hauptkraft längst wahrgenommen, hatte jedoch mit Rücksicht auf ihre schwierige Lage (als abgelehnte Geschäftsführerin) darauf verzichtet, sie härter in die Pflicht zu nehmen. Gleichwohl hatte er sie wiederholt freundlich daran erinnert, dass ihr die Führung des Teams obliege. Er hatte ihr sogar mehrfach Anstöße gegeben. So hatte er mit ihr über die optimale Form von Delegation gesprochen und mehrfach das Thema Nähe und Distanz im Führungsalltag eines kleinen Unternehmens angeschnitten.
Auf die Rückdelegation hätte er heftig und unwirsch reagieren können. Damit hätte er den Weg behutsamen Förderns und wohl dosierten Vertrauensaufbaus verschüttet. Durch Weiterbildung und bisherige Führungspraxis hatte er sich einige Grundsätze zu eigen gemacht, und er hatte trainiert, sich nicht von Stimmungen des Augenblicks hinreißen zu lassen.
Bereits vor dem aktuellen Konflikt hatte er wiederholt darüber nachgedacht, wie er seine leitende Mitarbeiterin behutsam und entschieden zu gesteigerter Mitverantwortung bringen könne:
> Was habe ich bisher unternommen, um die Teamleiterin an ihre Verantwortung heranzuführen?
> Habe ich deutlich genug kenntlich gemacht, was ich unter professioneller Delegation verstehe?
> Handelt die erste Sortimenterin überwiegend aus Führungsschwäche oder will Sie mir meine Aufgabe erschweren?
> Verhält sich der Frauenzirkel intrigant oder sind die Damen so an Harmonie, freundschaftliches Miteinander und Vermeidung von Differenzen gewöhnt, dass sie reflexhaft zurückdelegieren?
> Wie kann ich erreichen, dass ich gelassen, eindeutig und wirkungsvoller klar mache, was ich generell von der ersten Sortimenterin erwarte?
> Wie kann ich ihr helfen, das aktuelle Problem zu lösen, ohne dass eine Grundsatzdebatte ausgelöst wird?
> Welche Weiterbildung biete ich an?
Aus bereits vor dem Gespräch mit der ersten Sortimenterin geschärfter Wahrnehmung ihrer Stärken und Defizite war es ihm leichter gefallen, gelassen aber deutlich, kreativ aber den Konflikt nicht verkleisternd zu reagieren und konstruktive Lösungsansätze mit klarer Anweisung zu verbinden.
Die Frage nach Büchern, die ihm besonders nützlich waren und noch sind, und die er seiner ersten Sortimenterin empfehlen wird, beantwort er mit dieser Auswahl:
> Roland Jäger: Kompetent führen in Zeiten des Wandels Führungsinstrumente für die tägliche Praxis, Beltz, ISBN 978-3-407-36121-9
„Dieses Buch hat mir am Beginn meiner Führungslaufbahn sehr genützt, da sein Autor klipp und klar wichtige Methoden, Techniken und Verhaltensweisen vermittelt. So habe ich gelernt (oder verbessert), Visionen und Ziele zu entwickeln, Planungen und Projektarbeit anzulegen, Entscheidungen zu treffen, Organisation zu gestalten, Koordination und Kontrolle zu verbessern, wirkungsvoller zu kommunizieren und nicht zuletzt, meine eigene Position zu festigen.“
> Richard Egger: Mut Kardinaltugend der Menschenführung, Orell Füssli, ISBN 978-3-280-05228-0
„Führen ist ein einsames Geschäft. Entscheiden löst oft Konflikte aus. Kritik und Kontrolle machen selten Freunde. Wer sich behaupten will und Macht nicht mit Gewalt durchsetzen sondern durch überzeugen für Ideen und Problemlösungen gewinnen will, braucht Mut. Besonders viel Mut ist erforderlich, wenn man gegenüber Eigentümern, Wettbewerbern und Mitarbeitern für Werte eintritt und sie zu Grundlagen des Umgangs miteinander, mit Kunden und mit Geschäftspartnern bestimmen will. Der gesellschaftliche, psychologische und philosophische Ansatz des Autors hat mich überzeugt und erheblich in meiner Auffassung bestärkt, dass Führung neben angewandter Betriebswirtschaft in hohem Maße auch Menschenführung durch eigene Persönlichkeit ist. Diese Sichtweise erfordert Mut, weil man sich im Alltag stellen und auch an Werten messen lassen muss.“
> Maren Lehky: Was Ihre Mitarbeiter wirklich von Ihnen erwarten Die Übersetzungshilfe für Führungskräfte, Campus, ISBN 978-3-593-38839-7
„Dieses Buch ist ein gelungener Brückenschlag zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern, da es u. a. hilft, die richtige Sprache im Umgang mit einem Team zu finden und sich rechtzeitig für eine authentische Chefrolle zu entscheiden. Mich hat sofort überzeugt, dass ich weder „Übervater“, noch „Held“ oder ausschließlich“ „Visionär“ sein wollte, sondern Lotse und Moderator, der neben fachlicher Exzellenz mindestens drei Voraussetzungen effektiver Führung gewährleistet: Glaubwürdigkeit, Anziehungskraft (im Sinne von Vorbildhandeln, das zur Identifikation einlädt) und Bereitschaft, klare Vorgaben zu formulieren, eindeutige Ziele zu setzen sowie Macht als Möglichkeit zu nutzen, Standpunkte durchzusetzen und Grundsätzen Geltung zu verschaffen.“
> Regina Mahlmann / Nina L. Dulabaum, Ruth Pink u. a.: Konfliktmanagement und Mediation Schwierige Situationen souverän meistern Handelsblatt-Reihe „Mit Kommunikation zum Erfolg“, Beltz, ISBN 978-3-407-36483-8
„Konflikte sind Leistungskiller. Konflikte sind Chancen für Klärungen. Konflikte sind Leistungsförderer. Mit diesen unvereinbar anmutenden Aussagen sah ich mich am Anfang meiner Führungslaufbahn konfrontiert. Da ich gelernt hatte, Konflikten eher auszuweichen und auch glaubte, mich damit gut behauptet zu haben, sah ich mich in einer (selbst gestellten) Falle. Dieses Buch hat mir viel Verspanntheit und Unsicherheit genommen. Ich habe gelernt, innere Konflikte konstruktiv zu nutzen, zwischenmenschliche Konflikte nicht nur zu fühlen sondern sie zu analysieren, und die Gefahr der Eskalation sozialer Konflikte rechtzeitig zu erkennen sowie angemessene Verhaltensweisen zu entwickeln. Die Übungen zur Konfliktprophylaxe und zur Entspannung bei Konflikten haben mich dazu angeregt, mir selbst Bewegung und kleine Lockerungsübungen zu gönnen, wenn ich spüre, dass sich Druck aufbaut. Außerdem habe ich einige der Übungen als „Zwischenspiele“ längerer Teamkonferenzen erfolgreich (und erheiternd) anwenden können.“