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- Störenfriede bei einer Lesung - der Junior bringt sie zur Ruhe

STERNstunden
...wenn ein Juniorchef – erstmals allein bei einer Lesung –
Störer zur Ruhe bringt

In der sechsten Folge seiner Serie STERNstunden, Heft 8, Seite 51 berichtet unser Autor Helmut Benze über zwei Kommunikations-Asse, die ein Juniorchef servierte, als er erstmals eine Lesung in der elterlichen Buchhandlung zu leiten hatte. Er überbrückte schlagfertig und gewinnend ein peinliches Missgeschick, das gleich zu Beginn der sehr gut besuchten Lesung widerfuhr. Ebenso beherzt und exzellent nahm er wenig später zwei Störern sämtlichen Wind aus den Segeln.

Nach der außergewöhnlich erfolgreich verlaufenen Veranstaltung nahm ein mit der Buchhändlerfamilie gut befreundeter Stammkunde den Junior zu Seite. „So kenne ich Dich ja gar nicht. Wie bist Du denn auf die tollen Reaktionen gekommen? Dein Vater wird sehr stolz auf Dich sein!“ Der Gelobte fühlte sich verpflichtet, das Lob nicht ohne Erklärung für seinen Erfolg annehmen zu dürfen: „Danke für Dein sehr freundliche Lob. Als stellvertretender Gastgeber hatte ich erstmals Gelegenheit zu agieren und nicht überwiegend auf unausgesprochene oder verabredete Wünsche meiner Eltern zu reagieren. Das ist kein Vorwurf. Allenfalls Selbstkritik. Denn regelrecht untersagt war mir Selbstständigkeit als Juniorchef ja nie. Gleichwohl spürte ich immer die Rangfolge. Auch in den
Erwartungen der Mitarbeiter und Kunden. Eine meiner Stärken ist es, dass ich mich in Menschen und soziale Situationen besonders gut einfühlen und achtsam darauf reagieren kann. Zuweilen jedoch viel zu rücksichtsvoll. In Rollenspielen habe ich trainiert, das gelegentliche Übermaß an Rücksichtnahme oder auch Zurückhaltung in deutlich mehr Bestimmtheit und Selbstbehauptung umzuwandeln. Da ich nicht die persönliche- und Altersautorität meines Vaters ausstrahle, habe ich mir helfen lassen, nonverbale Kommunikation bewusster zu gestalten. In etwa zwei Dutzend Rollenspielen habe ich Führungs-, Moderations- und Konfliktsituationen solange trainiert, bis ich mich souveräner und dabei doch authentisch verhielt. Eines der Rollenspiele hieß „Ich gebe eine Party mit Pannen und patzigen Gästen“. Für dieses Stück haben wir alle selbst erlebten Pannen, peinlichen Situationen und patzigen Gäste gedanklich auf die Trainingsbühne gestellt. Ich musste die vom Coach immer wieder variierten Vorgänge und Verhaltensweisen solange bewältigen, bis ich mich und die anderen souverän im Griff hatte. Diese Übungen und vertiefende Lektüre haben mich offensichtlich so grundlegend fit gemacht, dass ich eine unvorhersehbare Situation und Leute, die sich heikel aufführen, nicht als Bedrohung erlebe. Sondern als spannende Herausforderung.“

Einige der Bücher, die dem Junior sehr genützt haben:
> Armin Reins: CL Corporate Language. Wie Sprache über Erfolg von Marken und Unternehmen entscheidet, Verlag Hermann Schmidt Mainz; ISBN 978-3-87439-669-1
„Diese Werk hat mir erst so richtig bewusst gemacht, wie entscheidend meine Kommunikationskompetenz für die Buchhandlung und für die Herausbildung der Buchhandlung als lokaler Marke ist. Reins hat meine Einstellung gegenüber meinen künftigen Mitarbeitern und unseren Kunden geprägt. Lange bevor ich praktisch Führung übernehmen werde. Dank Reins ist sprachliche Kreativität für mich eine der Voraussetzungen für gute Führung und effektive Markenbildung.“

> Hamid Peseschkian / Connie Voigt: Psychovampire. Über den positiven Umgang mit Energieräubern, Orel Füssli; ISBN 978-3-280-05321-8
„Mein Vater schreckt Vampire so wirkungsvoll ab, dass sie handzahm werden. Ich musste lernen, mich ihrer zu erwehren. Das Buch hat mir dabei sehr geholfen.“

> Regina Mahlmann / Nina L. Dulabaum / Ruth Pink u. a.: Konfliktmanagement und Mediation. Schwierige Situationen souverän meistern,
Beltz, ISBN 978-3-407-36483-8
„Die ersten 25 Jahre meines Lebens bin ich Konflikten ausgewichen. Oft habe ich viel zu schnell Kompromisse geschlossen. Das Buch hat mich gelehrt, Konfliktsituationen sowie meine und die Anteile anderer daran früh zu erkennen. Daraus habe ich eine Haltung entwickelt, die mich befähigt, wach und bereit auf Konflikte zu reagieren. In der Erwartung, etwas klären zu können.“

> Rudolf Stroß: Die Kunst der Selbstveränderung. Kleine Schritte – große Wikung, Vandenhoeck & Ruprecht, ISBN 978-3-525-40410-2
„Dieses Buch hilft mir immer wieder, die Balance zu finden. Einerseits bin ich Sohn und Erbe, eingeschworen auf Kontinuität und Familientradition. Andererseits werde ich in absehbarer Zeit dafür verantwortlich sein, die Firma und das Team in einer Marktlage zu führen, die von noch größerem Wandel und heftigeren Umbrüchen geprägt sein wird. Der Autor hat mich mit seinen vielen Fallbeschreibungen, vor allem jedoch mit seinen alltagsgerechten Tipps dazu motiviert und ertüchtigt, meine Selbstveränderung als Beitrag zu begreifen, den ich als Erbe und künftiger
Chef schuldig bin.“