In der vierten Folge seiner Serie STERNstunden, Heft 6, Seite 84 schildert unser
Autor Helmut Benze die mutige und kreative Reaktion der Buchhändlerin Frau C., die Dr. B. einen beliebten „Lieferanten“ gut verkäuflicher „Rezensionsexemplare“ mit Worten unter die Gürtellinie packte und als Dieb entlarvte.
Mit der besonderen Fähigkeit vieler Frauen, mehrere Dinge gleichzeitig gleich gut zu tun, hatte Frau C. beim Fertigstellen der Abrechnung für den „Lieferanten“ wahrgenommen, dass dieser charmante Dr. B. geklaut und das Diebesgut in den Hosenbund geschoben hatte.
Jeder, der schon einmal in die Verlegenheit geraten ist, einen Dieb nicht nur bei frischer Tat zu beobachten, sondern nun auch reagieren zu müssen, kann nachempfinden, welche Emotionen das ausgelöst. Nicht allein Zorn, Enttäuschung und Gerechtigkeitssinn, sondern auch Unsicherheit, Zweifel an der eigenen Wahrnehmung und die Befürchtung, eine Reaktion des Ertappten auszulösen, der man vielleicht nicht gewachsen sein würde. Das alles hatte in der Tat auch Frau C. überschwemmt. Sie behielt jedoch kühlen Kopf und wandte blitzschnell an, was sie nicht für einen derartigen Fall, wohl aber für heikle oder sogar gefährliche Situationen mental geübt hatte. Nicht nur geübt. Auseinandersetzungen mit dem dominanten Vater und Selbstbehauptung auf Auslandsreisen hatten Frau C. reichliches Praxistraining beschert. Das hatte sie mit immer mehr Erfolg absolviert. Ihre selbstverordneten Lektionen waren u. a.:
> Inspirierende Vorbilder starker Mädchen und Frauen aus Literatur und Leben hat sie sich stets präsent gehalten. So zählten z. B. Pippi Langstrumpf; die Rote Zora; Sophie Scholl, Hildegard Hamm-Brücher, Alexandra David-Néel und Fanny Stevenson zu Ihren „Begleiterinnen“ in Alltag und auf Reisen.
> Gegenüber dem sehr dominanten und gelegentlich jähzornigen Vater hatte sie sich nur behaupten können, weil sie sich nicht ängstlich duckte sondern ihn oft durch ihre aufrechte Haltung und Blickkontakt verblüffte, schließlich sogar Respekt abverlangte.
> Neben den Vorbildern waren und sind es Bücher, die ihr geholfen haben, bereits in jungen Jahren Teile ihres Lebensdrehbuchs selbst zu schreiben. So hatte sie sich z. B. sehr früh mit Konfliktarten beschäftigt und sich über Formen ihrer Bearbeitung informiert.
> Auf ihren vielen Alleinreisen u. a. nach Südamerika hat Frau C. erprobt,
was sie aus Reiseberichten mutiger Frauen gelernt hatte. So hatte sie mal eine Machohorde junger Burschen ausgetrickst, der sie auf einsamer Straße nicht mehr hätte ausweichen können: Humpelnd, die rechte Schulter hoch gezogen wie der Glöckner von Notre Dames, das Gesicht verzerrt wie eine Besessene war sie an den Burschen vorbeigeschlurft. Statt eines Objekts der Begierde ein Bündel Elend.
Vor einigen Wochen habe ich Frau C. gefragt, welche Bücher ihr besonders wichtig waren oder noch griffbereit liegen. Hier eine Auswahl, derjenigen, die ich auch kenne und empfehle: An erster Stelle das Lieblingsbuch von Frau C.:
> Alexandra Lapierre / Christel Mouchard: Frauen erobern die Welt
In diesem prächtig illustrierten Bild-Textband werden Frauen beschrieben, die ihren Überzeugungen und Intuitionen folgten und sich weder von Widrigkeiten noch von Männern daran hindern ließen, ihren Weg zu gehen, Flammarion / Prestel; ISBN: 978-2-080200679
> Alexandra Lapierre hat übrigens eines der schönsten Bücher über eine ungewöhnlich starke und ungewöhnlich stark liebende Frau geschrieben, über Fanny Stevenson, die Frau von Louis Stevenson: Die Vagabundin
Bei booklooker.de wurden kürzlich noch drei Exemplare angeboten
> Alexandra David-Néel: Wanderer mit dem Wind Reisetagebücher in Briefen.
F. A. Brockhaus; ISBN: 3-7653-0305-4
> Annette Blumenschein / Ingrid Ute Ehlers: Der Pippi Langstrumpf-Faktor, Managen mit Kreativ-Kompetenz. Murmann; ISBN: 3-938017-10-4
> Rudolf Stroß: Die Kunst der Selbstveränderung Kleine Schritte – große Wirkung, Vandenhoeck & Ruprecht; ISBN: 978-3-525-40410-2
> Heinz-Jürgen Herzlieb: Konflikte lösen Konfliktpotenziale erkennen In Konfliktsituationen souverän agieren. Cornelsen; ISBN: 3-589-21924-6