In der dritten Folge seiner Serie STERNstunden, Heft 5, Seite 55 schildert unser Autor Helmut Benze die ebenso schlagfertige wie erfolgreiche Reaktion einer Buchhändlerin, die einen sehr guten Kunden, der sehr gerne jegliche Distanz gegenüber Damen missachtet, in die Schranken wies. Ohne ihn zu beleidigen. Ohne den Stammkunden zu verprellen.
Die Buchhändlerin hatte keine Zeit, sich eine angemessene Abwehrreaktion zu überlegen. Bei vielen Weiterbildungsmaßnahmen und deren Aufarbeitung jedoch hatte sie sich stets viel Zeit genommen, um einige ihr besonders wichtige Erkenntnisse für den erfolgreichen Umgang mit schwierigen Menschen und konflikthaltigen Situationen zu vertiefen und sich buchstäblich anzueignen. Das hatte auch die Buchhändlerin getan.
Als der Sammler, genüsslich den Buchrücken streichelnd, nahte, klickte die Buchhändlerin vier innere Navigationszeichen an, die sie sich zu eigen gemacht hatte:
1.) Perspektivwechsel
2.) Männer sind Opfer
3.) Berührung und Nähe können sehr schön sein
4.) Siege ohne Demütigung des Gegenübers
Diese vier Navigationszeichen brachten die Buchhändlern auf den richtigen Kurs.
Wer sich selbst derartige Hilfen angeeignet hat, weiß, dass die (meistens richtige) Reaktion um ein Zigfaches schneller abläuft als die folgenden Erläuterungen:
Zu 1: Nicht der Kunde ist König. Ich halte Hof. Wer sich nicht benimmt, gibt den Hofnarren. Narren werden in die Schranken gewiesen.
Zu 2: Männer, die nicht ohne Zudringlichkeiten auskommen, sind Opfer von Ritualen derer vom Stamm Simpelmann.
Entweder, sie sind derart arme Würstchen, dass sie den Macho raushängen müssen: „Komplex-Grapscher“ Oder sie sind verblendet, Super-Clon aus Tarzan und Casanova zu sein, dem jede Jane erliegen muss: „Bonsai-Casanova“ Oder sie sind aus Triebhaftigkeit unterbelichtet: „Besenkammer-Lüstling“.
Solchen Kerlchen gewährt eine starke Frau den sanften Abgang. Zur Bewährung.
Zu 3: Wer Gegenstände streichelt, verdient es, in dieser sympathischen Haltung bestärkt werden. Eine kluge Frau lobt des Liebhabers Fähigkeit, schönen Dingen so nahe wie möglich kommen zu wollen.
Zu 4: Balthasar Gracián lehrt in seinem „Handorakel und Kunst der Weltklugheit“ u. a, dass es Regeln für das Glück derjenigen unter den Klugen gibt, die nichts dem Zufall überlassen, und dass es klug ist, sich vor Siegen zu hüten, die den Gegner zum Dauerfeind machen.
Zum Trainingparcours der Buchhändlerin zählen übrigens u. a. diese vier Bücher,
die ich uneingeschränkt empfehle:
> Rudolf Stroß: Die Kunst der Selbstveränderung Kleine Schritte – große Wirkung, Vandenhoeck & Ruprecht
> Silke Foth: Erfolgsrituale für Business-Hexen, Orell Füssli
> Ulrich Hemel. „Sich vor dem Siege über Vorgesetzte hüten“ Gracián für Manager, Hanser
> Mario Pricken: Kribbeln im Kopf Kreativitätstechniken & Brain-Tools, Verlag Hermann Schmidt Mainz
Viel Erfolg und Lesegewinn! Helmut Benze