60 Jahre und noch immer vorbildhaft
Eine Betrachtung des langjährigen Buchmesse-Direktors Peter Weidhaas

Peter Weidhaas
An der Wiege des Frankfurter Wunderkindes standen zwei Buchhändler, der Vorsitzende des
Hessischen Buchhändler- und Verlegerverbandes, der frühere Hallensische Buchhändler
Alfred Grade und der Mitinhaber der
Frankfurter Bücherstube Heinrich Cobet.
Beide Männer waren mit ihren Lebensläufen wie mit ihren gegensätzlichen Visionen ein Glücksfall für das Frankfurter Unternehmen in einer schwierigen Zeit. Cobet hatte die Beziehung zur Besatzungsmacht und Grade als ehemaliger Häftling des KZ Buchenwald die “weiße Weste“. Das war wichtig zu Zeiten der „Non-Fraternisation“, in denen jeder Schritt von den Siegermächten genehmigt werden musste. Cobet holte den „Hauptmann
Wilhelm Müller“, dem er in der Propagandaabteilung der Wehrmacht in Paris gedient hatte, als den ersten Direktor der Buchmesse nach Frankfurt. Müller war der Organisator, neben den beiden „Visionären“ der pragmatische Macher.
Und der
Börsenverein? Der nahm die engagierten Frankfurter Bemühungen erst einmal gar nicht zur Kenntnis. Auch der Versuch Grades, auf der Junitagung des neu gegründeten Verbandes in Köln 1949 die nächste Versammlung mit der Buchmesse in Frankfurt zu verbinden, wurde schlichtweg abgelehnt. Der Vorstand beschloss, die erste Hauptversammlung des neuen Börsenvereins (West) verbunden mit einer „Leistungsschau des südwestdeutschen Verlages“, an der sich 160 Verlage beteiligen sollten, in Stuttgart stattfinden zu lassen.
Im
Börsenblatt Nr.63 vom 23. August 1949 veröffentlichte der Börsenverein eine Einladung zur „Ersten Tagung aller Landesverbände des vereinigten Wirtschaftsgebietes am 24. bis 25. September 1949 in Stuttgart“. Kein Wort darin, dass vom 18. bis 23. September zur Frankfurter Buchmesse eingeladen worden war. Noch eine Woche vor der Eröffnung der Buchmesse in der Paulskirche schrieb
Horst Kliemann auf der ersten Seite des Börsenblattes Nr. 68 vom 9. September 1949: „So gibt es auch für den Verleger nur eine Losung: Am 24. September auf nach Stuttgart!“ Der große Hamburger Verleger
Ernst Rowohlt konnte zwar gewonnen werden, auf der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse ein paar Begrüßungsworte zu sprechen, ausgestellt hat sein Verlag jedoch in Stuttgart.
Ein ansehnlicher Erfolg
Dass dann mit über 205 Ausstellern, die den 14.000 Besuchern rund 8.400 Titel präsentiert hatten, ein ansehnlicher Erfolg in Frankfurt erreicht wurde, verdankt die Buchmesse vor allem dem „buchstäblich bei Tag und Nacht“ geführten Engagements der beiden „Hauptamtlichen“, Wilhelm Müller und seiner Assistentin
Josephine Diehl:
„Zwei Kisten und eine dicke Spanplatte in Cobets Antiquariat. Daran saßen Fräulein Diehl und ich, und das war unser Messebüro. Dazu hatten wir eine abgetakelte Schreibmaschine und zwei völlig durchgesessene Stühle. Unter diesen Umständen haben wir dann gearbeitet und an alle Verleger geschrieben.“ (Wilhelm Müller, 1973)
Nach diesem für die damaligen Verhältnisse beeindruckenden Erfolg (Stuttgart kam auf 160 Aussteller; auch in Hamburg gab es zur gleichen Zeit eine Buchmesse mit 57 Ausstellern.) beschloss nun auch der Vorstand des Börsenvereins einstimmig: „Die Frankfurter Buchmesse soll nach Möglichkeit als eine Einrichtung des Börsenvereins weitergeführt werden!“
Der Frankfurter „Einrichtung“ war somit der Weg in eine viel versprechende Zukunft geebnet. Doch diese „Einrichtung“ gab sich nicht besonders lang mit den Mühen der Ebene ab, sondern erhob sich sogleich als „Frankfurter Phoenix aus der (Leipziger?) Asche“, wie sich der berühmte britische Verleger
Sir Stanley Unwin zur Eröffnung der 2. Frankfurter Buchmesse ausdrückte.
Es war nicht die „Asche“ der Leipziger Buchmesse, aus der die Frankfurter emporstieg, obwohl alle Nachfolgeversuche im Westen diesem früheren Vorbild galten. Sir Stanley Unwin hatte die verheerende Zerstörung des graphischen Viertels in Leipzig in jener Bombennacht des 4. Dezember 1943, und damit des buchhändlerischen Zentrums in Deutschland vor Augen, das ihn zum Bild der Leipziger Asche greifen ließ. Er selbst hatte in Leipzig Buchhandel gelernt und war ein Bewunderer der deutschen Buchhandelsorganisation. Leipzig war im Bewusstsein des deutschen Buchhandels nicht nur ein geographischer Ort gewesen. Leipzig stand für jene buchhändlerische Gesinnung und jenes buchhändlerische Selbstverständnis, das aus dem 19. Jahrhundert überkommen war. Dies schien nun unwiderruflich verloren.
Unwin übersah allerdings, dass die Leipziger Buchhandelstradition bereits vorher ihre gestaltende Kraft eingebüßt hatte, ähnlich wie es Frankfurt runde 150 Jahre früher ergangen war. Nun also galt es, eine neue Tradition zu schaffen. Und diesmal hatte Frankfurt die richtige Thermik unter den Flügeln.
Die Frankfurter Buchmesse entwickelte in Windeseile ihre internationalen Bereiche. Bereits im fünften Jahr ihrer Existenz (1953) nahmen mehr ausländische (505 aus elf Ländern) als deutsche (484) Aussteller teil. Frankfurt, (man sprach im Ausland nur noch von „Frankfurt“, wenn es um den von allen angesehenen und angestrebten internationalen Buchhandels-Treffpunkt ging!), Frankfurt war der Platz, von dem die Impulse, insbesondere im internationalen Rechtehandel ausgingen. „Alle kamen nach Frankfurt, weil alle nach Frankfurt kamen!“
Die Messe und die Achtundsechziger
Dieser Aufstieg schien immerwährend und unaufhaltsam. Doch plötzlich bemächtigten sich politische Ereignisse sowie politische Gruppierungen der Buchmesse. Ich spreche, wovon heute 40 Jahre danach so viele sprechen: von den Achtundsechzigern! Die politischen Ambitionen, jener jungen Leute, die damals die Stände der Aussteller stürmten, will ich mal außen vor lassen.
Cohn-Bendit und seine munteren Gesellen repräsentierten aus der Sicht der Frankfurter Buchmesse-Organisatoren, eigentlich jenen Teilnehmerkreis, dem alle Bemühungen der Buchhersteller und Buchvertreiber gelten sollten, das Publikum, die Leser. Das von vielen der wirtschaftlich engagierten Teilnehmern auf der Buchmesse etwas abfällig bezeichnete „Sehpublikum“ war den meisten Ausstellern lästig, hielt es sie doch von den Kontakten mit den ernst zu nehmenden Kollegen ab, mit denen ein Deal, ein Geschäftchen winkte, das eventuell die Weiterexistenz des Verlages sichern konnte.
Mir hat diese Unterlassung von Anfang meiner Tätigkeit an Sorgen bereitet, weil ich beim Einstieg in die Messeleiter-Tätigkeit mich zuerst einmal hingesetzt und versucht habe festzustellen, mit wem ich es bei dieser Veranstaltung eigentlich zu tun hatte: Verleger, Buchhändler, Bibliothekare, Autoren, Agenten, Presse, – die Leser.
Das Ergebnis dieser Analysen konnte später bei unserer „Zentren“-Politik (Literarisches Agenten-Zentrum bzw. Rechte-Zentrum, Internationales Buchhändler- und Bibliothekaren-Zentrum, Deutsches Buchhändler-Zentrum, Presse-Zentrum, Illustratoren-Zentrum, Übersetzer-Zentrum u.a.) genutzt und bewundert werden. Der Leser (auch die Autoren) kamen bei dieser offiziellen Interessenstrukturierung leider nicht vor, obwohl die Leser als Gruppe mindestens die Hälfte der Besucher ausmachten. Erschwerend kam hinzu, dass von nun an die „Öffentlichkeit“, also die Presse und das Fernsehen, sich dieser Gruppe besonders annahm und ihre Forderungen zu der Ihren machte.
Bis 1967 war die Frankfurter Buchmesse weitgehend eine Branchenveranstaltung gewesen. Mehr als einhundert Beobachter und Pressevertreter brachte sie kaum auf. Ab 1968 gingen die Anzahl der teilnehmenden Berichterstatter sprunghaft in die Höhe. Anfang der 70er Jahre meldeten sich bereits über 3000 Mitglieder, Ende der 70er über 5000 kritische Berichterstatter bei der Buchmesse an.
Nun sollten wir die Rechnung für die offensichtliche Missachtung der Leser als Teilnehmergruppe an der Buchmesse bekommen: Seit 1967 verließ ein Teil der Besucher plötzlich den in den Gängen apathisch dahin fließenden Publikumsstrom, stürzte in die Stände, wo sie abzulehnende Literatur (faschistische, antifeministische, militaristische usw.) vermutete und sortierte aus, warf – unter Absingen „schmutziger“ Lieder - aus dem Stand, was sie verwerflich fand und klagte lauthals an. Diese Leute mischten den Handel, „der nur Handel treiben wollte“, gehörig auf. Ich war bereits seit Juli 1968 Mitarbeiter der Ausstellungs- und Messe GmbH. und konnte beobachten, was geschah:
Hier wie draußen in den Hallen kam es zu massenringkampfähnlichen Szenen, bei denen ansonsten gesittete und respektvolle Persönlichkeiten plötzlich die Fassung verloren und lauthals schreiend nach den Verantwortlichen verlangten, um ihre Klage, Beschwerde oder Forderung zu überbringen. Mal lag ich einem bekannten Autor im Arm, der mit cholerischem Schluckauf von mir auf der Stelle den Messedirektor forderte, dann einem erregt Speichel speienden Altverleger. Dann startete ich mit den Worten „Wer schreit hat Unrecht“ einen Entlastungsangriff auf einen erregten Zeitgenossen (den Autor von „Die Revolution entlässt ihre Kinder“), der die Buchhalterin Ingrid Lenz im Griff hatte, worauf er sich wutschnaubend auf mich stürzte, um zehn lange Minuten meinen Jackenkragen nicht mehr loszulassen. Es herrschte zeitweise ein heilloses Tohuwabohu auf der gesamten Messe, in dem kaum noch jemand den geschäftlichen Tätigkeiten nachgehen konnte, derentwegen er sich nach hierher aufgemacht hatte. (-> zitiert nach:
Peter Weidhaas,
Und schrieb meinen Zorn in den Staub der Regale Peter Hammer Verlag, Wuppertal 1997)
Wir alle wissen, dass der Spuk und damit diese kleine Kulturrevolution im Lande wie auf der Buchmesse schnell vorüber ging. Aber auch bei der Messeleitung wurde ab 1969 ein Umdenken deutlich. Aus der herausfordernd scharfen Messeordnung des Vorjahres wurden „Hinweise für Besucher der Frankfurter Buchmesse“. Die Polizei wurde in ihrer sichtbaren Präsenz auf dem Messegelände deutlich eingeschränkt. Beim Friedenspreis, bei dem im Vorjahr anlässlich der Verleihung an den senegalischen Staatspräsidenten und frankophonen Lyriker, Ästhet und Schöngeist,
Léopold Sédar Senghor, bürgerkriegsähnliche Zustände ausgebrochen waren, galt nun ein allgemeines Vorschlagsrecht. 1969 wurde der Preis dem deutschen Psychoanalytiker und Publizisten
Alexander Mitscherlich zugesprochen.
Eine Messe-Charta?
Aus unzähligen Gremiensitzungen der Verleger, Versammlungen des Schriftstellerverbandes, Arbeitsausschüssen der sogenannten „Literaturproduzenten“ schälte sich die Idee eines „Messerates“ heraus, der die auf der Buchmesse vertretene Öffentlichkeit repräsentieren sollte und der nach einigem Hin und Her über die Grenzen seiner juristischen Haftung und Verantwortung unter seinem Sprecher
Helmut M. Braem zu einem die erhitzten Protestgemüter beruhigenden Katalysator und Partner des Aufsichtsrates der Ausstellungs- und Messe GmbH. des Börsenvereins mutierte. 1970 verabschiedete dieser „Messerat“ schließlich eine „Messe-Charta“, in der es unter anderen hieß:
§ 1 Die Frankfurter Buchmesse ist öffentlich.
§ 2 Sie dient vornehmlich der Information und unterliegt dem kritischen Urteil einer demokratisch verfassten Öffentlichkeit.
§ 6 Eine Zensur durch Messeleitung oder staatliche Organe findet in Übereinstimmung mit Art. 5 des Grundgesetzes nicht statt… alle ausgestellten Produkte sowie Ihre Produktion und Distribution sind der Diskussion durch die Messeöffentlichkeit unterworfen.
§ 7 Aufgabe der Messeöffentlichkeit ist herrschaftsfreie, das heißt auch polizeifreie Diskussion aller ausgestellten Bücher und sonstiger Produkte. (->
Peter Weidhaas Zur Geschichte der Frankfurter Buchmesse Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main, 2003
Die Messe-Charta kam nicht mehr recht zum Einsatz, weil auf einmal die „Messeöffentlichkeit“ als handelnder Faktor nicht mehr existierte. Die aktiven Kräfte dieser „Messeöffentlichkeit“ hatten sich in unzählige K-Gruppen, zu den esoterischen Bhagwan, den Harikrishnan Sektierern, oder die ganz Radikalen in die Stadtguerilla RAF verflüchtigt.
Eine Gruppe, die durch die öffentlichen Ereignisse auf die Messe gezogen wurde und die sich vielfach mit den Forderungen der Studenten identifiziert hatte, die Presse, reagierte ausgesprochen resigniert und sauertöpfisch, als das Scheitern der Studenten deutlich wurde. So in „Die ZEIT“ vom 17. Oktober 1969, die wie fast alle Presseorgane auf eine Fortsetzung der inhaltlichen Auseinandersetzungen und Diskussionen auf der Messe gehofft hatte und ihre Enttäuschung über das Ausbleiben kaum verhehlen konnte:
„Dass es nicht zu mehr kam: unter anderem lag es daran, dass die radikale Opposition weitgehend auf Gummiwände stieß; dass ihre im legalistischen Sinne widerrechtlichen Aktionen keinen Polizeieinsatz auf dem Messegelände zur Folge hatten, der zu einer Eskalation, wer weiß wohin geführt hätte … Frank Benseler vom Ausschuss der Literaturproduzenten sprach schon von ‚repressivem Liberalismus’, dem von nun an der Kampf zu gelten habe.“ Die WELT zitierte einen Lektor eines großen deutschen Verlagshauses, der befragt, ob ihm die sehr sachliche Messe zusage, und triste den Kopf schüttelte:
„Nein, alles zu langweilig. Was fehlt ist ein richtig schönes Happening.“ Und
Helmuth de Haas 1970 in der WELT:
„Die Buchmesse ist bei Mr. Parkinson gelandet. Sie hat Schwellformen, sie wuchert aus, sie ist labil. Sie ist vielleicht zum Sterben krank und nur ein letztes Mal noch sehr euphorisch. Sie wird sich sechs Tage im Fieber winden – und danach kennt man ihr Schicksal.“
Die Presse verweilte jedoch nicht bei der Resignation, sondern machte sich mit all ihrer Medienkraft daran, einen Angriff auf eine neuartige Marketingform zu starten, die einige Verleger neuerdings, aus den USA bezogen, und hier mit zunehmendem Erfolg betrieben. Es ging um gezielte, hoch dotierte Bestseller -Kampagnen für Prominentenbiografien eines
Muhammad Ali, eines
Franz Beckenbauer, einer
Hildegard Knef oder
Gina Lollobrigida. Die Presse, vielfach noch den 68er antikapitalistischen Wertediskussionen verbunden, reagierte darauf ausgesprochen irritiert. Sie wollte sich für diese gezielten Marktoffensiven nicht instrumentalisieren lassen und berichtete überaus kritisch vom Buchhandel und der Buchmesse. Branche und Buchmesse hatten fortan ein schweres Imageproblem.
Was war hier geschehen? Warum berichte ich so ausführlich über eine Episode der Buchmesse, die – wie viele andere Episoden der sechzigjährigen Buchmesse erwähnt aber ansonsten abgehakt werden könnte? – Was hier im Gefolge der 68er Messen geschah, war eigentlich die Geburt einer neuen Messeform.
Die bisherige sich weitgehend auf sich selbst, die internationale Buchbranche konzentrierende Buchmesse öffnete sich den gesellschaftlichen, den literarischen und kulturellen Diskussionen. Wir addierten alles, was in jenen Jahren die Messe bedrängt hatte: Inhalte, kritische Wertungen, Diskussionen, Kommunikation aller mit allen an der Messe Teilnehmenden.
Und damit dieser Akt nicht in ein permanentes Chaos ausartete, konzentrierten wir uns jedes Jahr auf ein besonderes Thema. Zuerst im zweijährigen Rhythmus auf die kritischen Schwerpunktthemen: „Lateinamerikanische Literatur“, „Kind und Buch“, „Schwarzafrika“, „Religion“, „Orwell 2004“, „Indien; danach im jährlichen Rhythmus auf die Länderthemen: Italien, Frankreich, Japan, Spanien, Mexiko, Flandern/Niederlande, Brasilien, Österreich, Irland, Portugal, Schweiz, Ungarn, Polen, Litauen, Russland, die Arabischen Länder, Korea, Indien, Katalonien, Türkei (2008). (-> Mehr zu diesem Thema in:
Peter Weidhaas Und kam in die Welt der Büchermenschen.
Christoph Links Verlag Berlin 2007.)
Buchbranche der Welt braucht einen Platz wie Frankfurt
Fast jede ernst zu nehmende Internationale Buchmesse ist uns später gefolgt, aus der reinen Handelsmesse für Rechte und Bücher, ein Bücher- oder Literaturfestival zu gestalten. Hier können die Bücher und die Büchermacher weiterhin ungestört ihre Bücher vermarkten. Sie können aber darüber hinaus auch die gewaltige Medienmacht nutzen, die sich Jahr für Jahr auf diesem „Medienspektakel“ einfindet (mittlerweile in Frankfurt 12.000 Berichterstatter!).
Die Buchbranche der Welt braucht einen Platz wie Frankfurt, wo sie sich trifft, sich allseitig informiert, sich den Angeboten, den zufälligen Begegnungen mit Büchern, Kollegen und Konkurrenzen aussetzt. Buchprojekte werden immer noch und auch weiterhin im engen persönlichen Kontakt mit anderen Menschen initiiert und gestaltet.
Das Buch braucht das gesprochene Wort, den überzeugenden Diskurs, um vom einen zum anderen zu gelangen. Die durch die neuen Medien wie das Internet, Fax oder E-Mail zu vermittelnden Daten von Titel, Umfang und Preis und einigen technischen Daten mehr reichen dafür nicht aus.
Die Zusammenkünfte der Büchermacher und Vertreiber, Verleger, Autoren, Buchhändler und Bibliothekare oder Öffentlichkeitsarbeiter stabilisieren darüber hinaus die Identität der Beteiligten nach innen und nach außen. Es ist wichtig, dass sich der Buchhandel auch weiterhin zu solchen kollektiven Auftritten bereit findet. Das ist gut für das eigene Selbstwertgefühl, das ist gut für Einfluss und Wahrnehmung der Branche in der Gesellschaft.
Buchmessen werden in allen Weltgegenden ihre sinngebende Arbeit für den Buchverleger, den Buchhändler, den Leser – und nicht zuletzt für das Medium Buch, auch und besonders in der neuen Mediengesellschaft zu leisten haben.
Bücher von Peter Weihaas:
Zur Geschichte der Frankfurter Buchmesse (
Suhrkamp 2004)
Und schrieb meinen Zorn in den Staub der Regale. Jugendjahre eines Kulturmanagers (
Peter Hammer 2002)
Und kam in die Welt der Büchermenschen: Erinnerungen (
Christoph Links 2007)
A History of the Frankfurt Book Fair (
Dundurn Press Ltd. 2007)
Memorias de Un Aleman Tipico (
De La Flor 2005)