DER MESSE-MAYER AM MITTWOCH 11.10.2007 10:46
Katalanien? Katalonien? Ich sag's Ihnen.
Willkommen zur
Frankfurter Buchmesse 2007, der größten Ü30-Party der Welt!
Unser Ehrengast ist die katalanische Kultur.
Die regionalen und kuturellen Termini, die mit dieser Gastheit einhergehen, sind nicht jedem gegenwärtig, daher habe ich in Halle 5.1 eine freischaffende, fünfsprachige Dolmetscherin angelockt und so getan, als wüsste ich nichts über die katalanische Kultur.
Das ist mir nicht schwergefallen. Cervantes und Picasso, das muss reichen.

Maria Mercè Ardiaca Jové
Ich extrahiere Ihnen mal die neun feinsten Fakten aus unserem fünfsprachigen Gespräch:
1. Die offizielle Buchmesseformulierung "Ehrengast ist die katalanische Kultur" ist zwar etwas gestelzt gewählt, aber ansonsten korrekt ausgedrückt. Eine Nuance besser wäre:
"Ehrengast sind die katalanischen Länder."
Länder meint hier sowas wie Bundesländer. Sowas ähnliches jedenfalls. Den Katalanen würde diese Formulierung am besten gefallen.
2. Die inoffizielle Buchmesseformulierung "Gastland ist die katalanische Kultur" ist natürlich Schmonzes, weil eine Kultur kein Land ist.
Die Gastländer, die das betrifft, wären nämlich dann mindestens Andorra, Spanien, Frankreich, Algerien und Liechtenstein.
3. Die Region heißt "Katalonien",
das Wie-Wort "katalanisch",
die Bewohner "Katalanen."
Falsch sind die Versionen "Katalanien", "katalonisch" und "katatonisch".
4. Katalanisch unterscheidet sich von spanisch in etwa so sehr wie spanisch von italienisch.
5. Die Katalanen sind leidenschaftliche Raucher, hören aber schon viel länger auf die EU als wir.
6. Die Katalanen fahren total auf Wagner ab.
7. Die Katalanen halten Grass für einen berühmten deutschen Autor.
8. Die Katalanen wussten gar nicht, dass es eine Frankfurter Buchmesse gibt, bevor wir sie eingeladen haben.
9. Jetzt fahren die Katalanen auch total auf die Buchmesse ab.
Maria Mercè Ardiaca Jové fragt mich, ob wir auch den Tag des Buches feiern. Ich sagte ihr, dass wir ihn immerhin imitieren.
Die deutsche Eigenart, die den Katalanen am unagenehmsten auffällt, ist - jetzt halten Sie sich fest: nicht die üblichen Tugenden und Steifheiten, die man uns anderswo nachsagt, sondern unsere üble Neigung zu Mallorca. Wir haben Ballermann geschaffen.
Darüber bitte eine Sekunde nachsinnen, bevor Sie dem nächsten Katalanen in die Augen schauen.
Hier noch ein paar Eindrücke aus dem katalanischen Pavillon:

Blätterwald

Lichterwald
Der erste prominente Autor, den ich heute traf, war
Karl May. Aus praktischen und sicher auch pietistischen Gründen wurde der bereits verstorbene Autor am Stand des
Karl-May-Verlages durch eine Handpuppe figuriert.
In einem Zwiegespräch mit Großmutter erzählte er aus seinem Leben.

Großmutter, Ralf Wolter, Karl May
Die Puppe ist zu anderen Gelegenheiten übrigens auch als Einstein, Mark Twain und Klaus Harpprecht einsetzbar.
Bei
Arena schenkte
Anne Stadtelmeyer mir endlich ihr altes Leuchtsaurierskelett von Yps. Seit Jahren stelle ich ihr deswegen nach, und damit ich endlich Ruhe gebe, hat sie es nun rausgerückt.

Yps (links) mit Gimmick (rechts)

Gimmick ohne Yps
Bitte beachten Sie auch das "E" auf meiner Krawatte. Es gab heute viele Rätsel auf. Ich gedachte es eigentlich der
Eröffnung wegen zu tragen. Kollegin
Barbara Meixner tippte auf "Energie", während
Dr. Übleis an anderer Stelle auf "Ego" kam.
Na, das trifft ja beides irgendwie auf mich zu. Außer "Energie" vielleicht.

"E" wie Erasmus von Rotterdam
Ebenfalls bei Arena traf ich den
Lesebär, wie er heimlich innerhalb seines Kostüms rauchte. Der hat's gut. Dass er sich mal bloß nicht vom
Stoiber erwischen lässt. Der war nämlich ebenfalls in Halle 3.0 unterwegs, und wie der mit Problembären umgeht, wissen wir ja.

Lesebär und Lillihex

Edmund Stoiber (maskiert)
Als nächstes hatte ich einen geschäftlichen Routinetermin bei
Reclam. Ich tätigte eine Bestellung, und man gestattete mir ein kleines Remissionsrecht vom letzten Messe-Auftrag. Dummerweise aber erkannte mich
Magdalena Heuer (links) und prüfte meine Remissionsanfrage deswegen lieber doppelt gründlich.

Hmmm... ach, Sie sind das...
Zur Mittagszeit steuerte ich
Oetker an, um Oetker-Verlegerin
Annelore Strullkötter kennenzulernen, die mich zum Essen einlädt. Beim gemeinsamen Mahl lachten wir herzlich über schnorrende Journalisten, die denken, sie könnten hier was zu essen bekommen. Kollegen gibt es! sage ich fassungslos, während ich mir Rinderbäckchen auf Selleriepüree und Möhren im Orangensud schmecken lasse.

Wie bitte? Rinderbäckchen?
Da wir nette Tischgesellschaft hatten - die Geschäftsführung von jeweils
Thalia, Weltbild und
Droemer Knaur flankierte meine unwürdigen Ellbogen - kamen wir leider gar nicht ins Fachgespräch, so dass Frau Strullkötter mich für morgen erneut einladen musste.
Mal sehen, was wir dann noch so alles über schnorrende Journalisten lernen können.

Irene Naumczyk, Weltbild,
Dr. Hans-Peter Übleis, Droemer Knaur

Michael Busch, Thalia,
beinahe Dürerhände
Ach so, das Essen: Das Selleriepüree war sehr fein und dezent, die Möhrchen angenehm hintergründig und die Rinderbäckchen ein Gedicht, als hätte der Koch sie persönlich zartgeküsst.
Eine große Attraktion war die Einweihung einer Sonderausgabe der
Brockhaus-Enzyklopädie.
Armin "der Flüster-Flüsterer"
Mueller-Stahl hat sie persönlich geschrieben und gestaltet, und jeder Band ist drei Meter groß.

Bitte 2 x klingeln
Herr Mueller-Stahl wohnt für die Zeit dieser Messe in Band 19 (MOSC - NORDD), der aber seltsamerweise von
Maria Schell signiert worden scheint.

Lesen Sie selbst.
Nachdem ich gesehen habe, wie die
ARD Herrn Mueller-Stahl an die Wand gefragt hat, habe ich beschlossen, ihn zu verschonen und wandte mich den übrigen Attraktionen im Freien zu.

Ja, der junge Mann von der ARD, bitte?

Nimm gefälligst den Finger
aus dem Ohr, wenn ich mit Dir rede
Zum einen traf ich meinen zweiten Bären, und zwar den allseits beliebten und landbekannten, ja, unser aller
Knut! Er jobbt jetzt nebenher als Halbtags-Lorek für "Der Goldene Kompass"-PR-Aktionen.

Wie schnell sie groß werden!
Unheimlich war es bei
Gräfe & Unzer. Dort sollte man seine Hand in ein Loch stecken, ein Lebensmittel betasten, und wenn man es erraten hat, musste man es aufessen. So eine ähnliche Mutprobe gab es mal bei Flash Gordon, das war ähnlich behaglich.

Ertasten Sie die frische, 200°C heiße Crème brûlée?

Photoshop für ganz, ganz Arme
Außerdem war ich bei
Eichborn, aber
Uta Niederstraßer hat wieder mal nur über Sex reden wollen, und die Fotos, die dabei entstanden sind, musste ich bereits
Herrn von Zittwitz ausleihen und habe sie noch immer nicht zurückbekommen.
Leider hatte ich absolut gar keine Zeit mehr für das
Forum Fachbuch, wo u.a.
Schattauer zum Blitzseminar "Ethik des Essens" einlud. Das bedaure ich sehr, denn wann kriegt man schon mal die Ethik des Essens in 60 Minuten serviert? Und das ist weißgott genug Zeit für dieses Thema.
Zeit wird es nun auch für mich.
Grass und ich verabschieden uns für heute und wünschen einen guten Donnerstag.

Große katalanische Nichtraucher,
Tag Eins
Ihr
Matthias Mayer
P.S.: Bitte geben Sie mir einen Tipp, wo ich auf dieser Messe einen wirklich guten Kaffee herbekomme. Die hilfreichsten Einsendungen werden an dieser Stelle vorgestellt.
* * *
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Ernie-Teaser
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