Stephan Schierke erläutert neue Arvato-Struktur / VVA will Plastikwanne einsetzen / BWA-Lieferscheine in Zukunft für Sortiment kostenlos

Harald Hostmann:
Buchbranche im Umbruch

An einem aus seiner Sicht „symbolischen Veranstaltungsort“ hat Harald Hostmann heute seine Gäste zur VVA-Sortimentertagung begrüßt. „Die Zeche Zollverein spiegelt den Wandel eines Industriestandorts wider, ebenso erlebt die Branche einen Wandel, der uns immer wieder vor neue Herausforderungen stellt“, sagte er zur Begrüßung.

60 Teilnehmer trafen sich an dem Ort des Weltkulturerbe im Ruhrgebiet, um sich den sozialen Medien im Buchhandel zu beschäftigen: „Erfolgsgarant oder Zeitfresser?“, lautete die Überschrift dazu. Zuvor berichtet VVA-Geschäftsführer Stephan Schierke allerdings aktuell aus der VVA.

Stephan Schierke:
Von produktbezogener zur
marktbezogener Denke

Dabei stellte Schierke Strategien zu neuen Strukturen der Arvato vor, die wohl schon durchgesickert sind, aber noch nicht in allen Unternehmensebenen beschlossen sind. „Die Arvato organisiert sich neu weg von einer produktbezogenen zur marktbezogenen Denke“, sagte Schierke zu den neuen Überlegungen innerhalb der Bertelsmann-Tochter. Alle Aktivitäten im Buchbereich sollen nun zu einer einzigen Geschäftseinheit zusammengeschmolzen werden. Dabei sollen alle Aktivitäten in eine neue Geschäftseinheit rund um die Buchbranche im weitesten Sinn gegossen werden. „Dazu gehören alle Dienstleistungen für Verlage nach der grafischen Fertigstellung bis zum Leser“ erläutert Schierke. Das betreffe die Druckaktitäten bis hin zur Logistik. Dieser neuen Einheit, zu der dann auch GGP-Druck gehören werde, wird in Zukunft Schierke vorstehen. Damit wolle man zusätzliche Vorteile schaffen, so Schierke. Er hoffe, dass er damit auch „endlich“ seine Pläne für Print On Demand in Gütersloh verwirklichen könne, da die Entscheidungen nun auf einer Geschäftsführerebene getroffen werden. Eine eigene Bezeichnung habe diese Einheit bisher nicht, noch seien die neuen Strukturen mit dem Betriebsrat abzustimmen.
Drüber hinaus hat Schierke seinen bisherigen Widerstand gegen den Einsatz einer wiederverwendbaren Wanne für die Auslieferung aufgegeben. Bisher war ihm der Einsatz von wiederverwendbaren Transportbehältern noch zu teuer, jetzt wolle die VVA auch diesen Schritt gehen. Es werde aber keine eigene Wanne geben, sondern die VVA wolle die Libri- und KNV-Wannen unterstützen, kündigte er an. „Das wird nur zu einem deutlich höheren Preis gegenüber der Kartonage möglich sein, aber es wird eine bezahlbare Lösung geben“, so Schierke. Die Wannen sollen an allen Standorten zum Einsatz kommen. Die weitere gute nachricht für sortimenter ist, dass BWA-Bestellungen in Zukunft völlig kostenfrei werden sollen. „Ebenfalls gratis sein wird der elektronische Lieferschein am Morgen des nächsten Arbeitstages“, so Schierke.

Leander Wattig: regte
an, Umsatz im Social Web
festzulegen

Schierke kritisierte noch einmal scharf, dass Libreka! versucht habe, die digitalen Geschäftsideen der VVA zu kopieren. Mit der Börsenvereinsmutter habe es nun Gespräche gegeben, wonach nun unterbunden werden soll, dass Libreka! zusammen mit einzelnen Marktteilnehmern wettbewerbsverzerrende Strukturen schafft. Über weitere Lösungen sei man im Gespräch, so Schierke.

Berater und Dozent an der HTWK Leipzig Leander Wattig stellte Möglichkeiten für Buchhandlungen vor, soziale Medien wie Facebook und Xing für die eigene Buchhandlung zu nutzen. „Es geht nicht darum, wieviel Fans oder „Follower“ Sie haben, sondern sich messbare Ziele zu setzen, wie Sie damit die Kunden in den Laden bekommen“, sagte er. Dafür gibt es viele neue Features bei Facebook, wie zum Beispiel Rabattmöglichkeiten für Kunden, die über Facebook in die Buchhandlung finden. Auch für Google spielten Soziale Medien eine immer größere Rolle in den Suchergebnissen, davon könnten auch Websites von Buchhandlungen profitieren.

Dr. Dorothea Redeker:
Vernetzt Euch mehr!

Er rief die Buchhändler dazu auf, kreativer mit dem Internet umzugehen. Wie im Laden gehe es auch im Internet darum, persönlich sichtbar zu sein, das spreche die Leute mehr an als „wenn man die Kunden mit dem Logo reden lässt“.

Beraterin Dr. Dorothea Redeker plädierte für mehr Vernetzung im Internet. Dazu gehöre die Unterstützung für Titel durch die Buchhandlungen untereinander, aber auch der Austausch von Inhalten zwischen Verlagen und Buchhandlungen. „Warum soll man nicht gut besprochene Titel von Kollegen unterstützen, die dann der Bekanntheit des Buces insgesamt zu Gute kommt und damit sich gegenseitig pusht“, so Redeker. Sie kritisierte Verlage, nutzten nicht die Chancen schöne Berichte über Lesungen in Buchhandlungen mit den Website der entsprechenden Buchhandlung zu verknüpfen. „Social media muss Spaß machen, das ist ganz wichtig“, so Redeker.

Jan Orthey: Kunden
wollen mehr als nur über
Lesetipps informiert werden

Jan Orthey, Inhaber der Buchhandlung Am Markt in Lüneburg berichtete über seine Erfahrungen mit den sozialen Medien. „Wir wollen das, was im Laden passiert, im Netz abbilden und das, was im Netz passiert, soll im Laden widerspiegeln“, beschrieb Orthey die Strategie seiner Buchhandlung. „Mehr als über Lesetipps informiert zu werden, wollen die Kunden wissen, was eigentlich hinter den Kulissen passiert“, berichtet Orthey. „Es geht um emotionale Informationen, das finden viele Kunden spannend“, so der Buchhändler. Die neue Homepage der Buchhandlung sei so programmiert, dass alle neuen Aktivitäten automatisch auf Facebook gemeldet werden. Für einige Buchhandlungen mache sich das Internet bereits bezahlt: So berichtete Joachim Wrensch, dass die Buchhandlung Graff inzwischen sieben bis acht Prozent ihres Umsatzes im Internet generiere.

In der Diskussin kritisierten Buchhändler, dass Vertreter oft nicht Bescheid wissen, in wiefern Sortimenter Online-Unterstützung durch die Verlage erfahren können. „Es würde uns ja schon reichen, wenn die Vertreter wüssten, wer im Verlag Ansprechpartner für entsprechende Themen ist“, so eine Buchhändlerin.

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